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Wirtschaft Nach Porto-Erhöhung: Deutsche Post erwartet mehr als eine Milliarde Euro Gewinn
Mehr Welt Wirtschaft Nach Porto-Erhöhung: Deutsche Post erwartet mehr als eine Milliarde Euro Gewinn
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17:57 06.08.2019
Die Post hat am Dienstag mehr als ordentliche Zahlen präsentiert. Quelle: imago images / STPP
Frankfurt/Berlin

Die teilstaatliche Deutsche Post hat es am Dienstag den anderen Unternehmen im Dax gezeigt. Mit einem Plus von mehr als 5,3 Prozent bis zum Nachmittag ließ die Aktie des gelben Riesen die wichtigsten anderen börsennotierten Firmen weit hinter sich. Den heftigen Applaus von den Börsianern gab es für die Erhöhung der Gewinnprognose in diesem Jahr. Das hat viel mit dem höheren Briefporto zu tun, das die Bundesregierung gewährt hat. Zugleich aber mehren sich die Beschwerden über den Service des Konzerns.

Die Bundesnetzagentur teilte als zuständige Aufsichtsbehörde mit, dass von Anfang Januar bis Ende Juni Verbraucher sich 9560 Mal über verspätete Pakete, falsch zugestellte Briefe und lange Wartezeiten in Filialen beklagten. Das ist ein Anstieg von 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wobei schon damals ein massives Plus verzeichnet wurde. Und Insider gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch erheblich höher ist.

Die Zahlen beziehen sich zwar auf die gesamte Post- und Paketbranche. Da die Deutsche Post aber mit großem Abstand Marktführer ist, betrifft es insbesondere den Konzern, der noch zu gut einem Fünftel in staatlicher Hand ist.

Porto-Erhöhung im Juli

Dass diese Zahlen just an dem Tag publik werden, an der Konzern seinen Zwischenbericht für das erste Halbjahr vorlegt, lässt sich auch als Mahnung an das Management lesen, nun auch beim Service etwas zu tun. Quasi als Gegenleistung dafür, dass die Bundesregierung der Post eine üppige Portoerhöhung gewährt hat. So verteuerte sich der Standardbrief am 1. Juli um zehn Cent auf 80 Cent.

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An dem aktuellen Zahlenwerk lässt sich gut ablesen, wie sich die finanzielle Lage in nächster Zeit verbessern soll. Im heimischen Post- und Paketgeschäft (P&P Deutschland) ging der Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit (vor Steuern und Zinsen) im Halbjahr zwar um gut ein Fünftel auf 404 Millionen Euro zurück – Hauptursache waren höhere Personalkosten.

Über eine Milliarde Euro Gewinn erwartet

Aber: Der Vorstand hat sein Ziel für das Gesamtjahr nun auf mindestens 1,1 Milliarden Euro erhöht. Im zweiten Halbjahr sollen also 600 Millionen oder mehr verdient werden. Vor allem dank der Portoerhöhung, ist dem Geschäftsbericht zu entnehmen.

Und im nächsten Jahr soll es sogar noch einen weiteren Profitschub geben. Auf mehr als 1,6 Milliarden Euro. Maßgeblicher Treiber: höhere Umsätze ebenfalls dank des Porto-Aufschlages. Ferner strebt das Management an, die Kosten für die Verwaltung zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Unter anderem ist geplant, dass die klassischen Briefträger verstärkt auch kleinere Pakete ausliefern.

Mit all dem will man steigende Personalkosten mehr als ausgleichen. Schließlich muss der Konzern hierzulande 5000 Frauen und Männer für die Zustellung zusätzlich einstellen. Das war eine Bedingung für die Portoerhöhung. Die Rekrutierungen für das zweite Halbjahr seien angelaufen, sagte Finanzchefin Melanie Kreis in einer Telefonkonferenz. Die Netzagentur will dem Unternehmen genau auf die Finger schauen, ob tatsächlich die Belegschaft im vereinbarten Maß ausgebaut wird. Insgesamt beschäftigte P&P Deutschland Ende Juni knapp 158.000 Angestellte.

Ex-Monopolist ist Marktführer

Die Portoerhöhung wurde heftig von den Oppositionsparteien im Bundestag und von den Post-Konkurrenten kritisiert. Die wettbewerbliche Schieflage hierzulande werde sich verschärfen, so etwa der Bundesverband Paket & Expresslogistik. Die Organisation befürchtet, dass die Post mit den höheren Portoeinnahmen noch stärker als bisher die expandierende Paketsparte mit Quersubventionierungen stärken kann. Hier ist der Ex-Monopolist nach wie vor Marktführer mit deutlichem Abstand. Das gilt im noch viel stärkeren Maß im Briefgeschäft.

Und da könnte es für die Post künftig noch günstigere Bedingungen geben, die in den aktuellen Plänen des Vorstands noch gar nicht berücksichtigt sind. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat vorgeschlagen, die Pflicht zur Zustellung von Briefen von sechs auf fünf Tage pro Woche zu reduzieren. Das würde die Aufwendungen massiv senken, zumal die Post unter schrumpfenden Briefmengen leidet; Konkurrenten bauen ihre Marktanteile aus - wenn auch nur langsam. Extrem teuer ist beim Zustellen die sogenannte letzte Meile, also der Weg, den der Briefträger zu Fuß und/oder mit dem Rad bis zum Briefkasten des Empfängers zurücklegen muss. Sind es nur einige wenige Sendungen in einem Zustellbezirk, schießen die Kosten pro Schreiben in die Höhe.

Keine Zustellung mehr am Montag?

Post-Sprecher haben denn auch schon angedeutet, dass man montags die Zustellung streichen wolle, da an diesem Tag weniger als „zwei Prozent der Wochenmenge“ anfalle. Die geplante Änderung des Postgesetzes soll flankiert werden mit einer Verschärfung der bislang laxen Aufsicht über die Post, was von vielen Wettbewerbsexperten schon lange gefordert wird. Gleichwohl hat es bereits heftige Gegenstimmen zu Altmaiers Plänen gegeben.

Neben P&P Deutschland ist das internationale Logistikgeschäft der Post-Tochter DHL die zweite tragende Säule des Konzerns. Dort wird auch der größte Teil des Gewinns erwirtschaftet. Im ersten Halbjahr waren es 974 Millionen vor Zinsen und Steuern. Insgesamt kam ein Profit von 1,9 Milliarden Euro (plus 16,7 Prozent) bei einem Umsatz von 30,8 Milliarden Euro zusammen. Die Deutsche Post profitiert vor allem vom schnellen Wachstum des weltweiten Online-Handels.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel