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Wirtschaft „Multi-Kulti“ hilft Konzernen bei internationalen Strategien
Mehr Welt Wirtschaft „Multi-Kulti“ hilft Konzernen bei internationalen Strategien
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12:40 28.11.2012
Die Mexikanerin Gabriela Lopez, der Hongkong-Chinese Lup Yee Yau und die US-Amerikanerin Faith Busch stehen beim Chemie-Konzern Boehringer Ingelheim vor einer Weltkarte - sie arbeiten in verschiedenen Abteilungen des Pharma-Unternehmens. Quelle: dpa
Ingelheim/Ludwigshafen

Auf der „Welcome Party“ bei Boehringer Ingelheim trifft sich die halbe Welt zum Karibischen Abend. Türkisch, Spanisch, Englisch, Japanisch - an jedem zweiten Tisch wird eine andere Sprache gesprochen, wenn der „International Club“ die ausländischen Mitarbeiter und deren Anhang einlädt. In der Zentrale des Pharma-Konzerns arbeiten Menschen aus fast 30 Nationen, weltweit sind noch mal 20 Länder mehr vertreten.

Internationale Unternehmen setzen auf „Multi-Kulti“. Vor allem, um die verschiedenen Märkte besser einschätzen zu können. Mit der kulturellen Vielfalt muss jedoch auch das Verständnis für andere Mentalitäten wachsen. „Für unsere Entscheidungsprozesse ist diese Vielfalt eine enorme Bereicherung“, sagt Boehringer-Vorstandsmitglied Engelbert Tjeenk Willink. Geschäfte in Lateinamerika und Asien, Südafrika oder China gelängen am besten, wenn das Unternehmen auch Mitarbeiter hat, die aus diesen Ländern stammen.

„Wenn ich verschiedene Kulturen, Nationalitäten im Unternehmen habe, dann kann ich auch kundenspezifische Angebote schaffen“, erklärt der Arbeitspsychologe Thomas Rigotti von der Universität Mainz. Diversität in der Belegschaft ist nach seiner Überzeugung generell gut für Unternehmen - „wenn man die Unterschiede - die da sind - nicht unter den Tisch kehrt, sondern damit bewusst arbeitet.“ So sei es sinnvoll, mit einem multikulturellen Team auch nonverbale Dinge zu besprechen, um Missverständnisse zu klären.

Vielfalt sei ein klarer Wettbewerbsvorteil, wenn sie gut gemanagt werde, heißt es auch beim Chemie-Konzerns BASF. Am Standort Ludwigshafen seien Mitarbeiter aus mehr als 80 Nationen beschäftigt. „Die Arbeit in gemischten Teams führt zu besseren Ergebnissen, auch wenn Vielfalt gerade am Anfang die Komplexität vielleicht erhöhen mag“, teilt eine Sprecherin mit.

Die US-Amerikanerin Faith Busch kam der Liebe wegen nach Ingelheim. Was ist für sie typisch deutsch? „Wurst, Kartoffeln und Bier“, sagt die 30-Jährige, die in ihrer Abteilung mit Menschen aus einem halben Dutzend Länder arbeitet. Im täglichen Umgang seien Deutsche oft sehr direkt, auch bei Kritik. Das sei für Ausländer genauso gewöhnungsbedürftig wie die Tatsache, dass man an seinem Geburtstag Kuchen mit ins Büro bringen sollte. In Amerika sei das umgekehrt - da wird das Geburtstagskind eingeladen. „Die Unterschiede sind da und man sollte darüber sprechen“, sagt Busch.

Lup Yee Yau ist Hongkong-Chinese, geboren und aufgewachsen in Großbritannien. Bei Boehringer Ingelheim ist er für Marketing zuständig, er lebt seit eineinhalb Jahren am Rhein. Obwohl er nur wenig Deutsch spricht, fühlt er sich in seiner Nachbarschaft mitten in Mainz sehr wohl. „Ich komme kaum in mein Apartment ohne eine Einladung zum Feierabendbier. Und dabei trinke ich kaum Alkohol“, sagt der 46-Jährige, der nach eigenem Bekunden akribisch Müll trennt und gerne Spießbratenbrötchen isst.

Was die deutsche Mentalität angeht, so gibt es nach Yaus Erfahrung ganz grob zwei Gruppen: „Deutsch-Deutsche“ und „Europäisch-Deutsche“. Erstgenannte entsprächen in gewissem Maße dem Klischee, besonders korrekt und eher verschlossen zu sein. Mit den offeneren „Europäisch-Deutschen“ hingegen könne man überall auf der Welt problemlos in Kontakt kommen.

Die Mexikanerin Gabriela Lopez kann sich noch gut an einen ihrer ersten Tage vor zwei Jahren in Ingelheim erinnern, als ihre Tochter an einer Imbissbude spontan eine Puppe geschenkt bekam. „Trotz der Sprachbarriere wurden wir sehr offen und freundlich empfangen.“ Lopez liebt die deutsche Küche mit Schnitzel, Kartoffeln und dunklem Brot.

Ein großer Unterschied zu ihrer Heimat Mexiko City fällt ihr jedoch immer wieder auf: Die Stille. „In unserer Wohnung konnte ich neulich eine Fliege im Nachbarraum hören“, berichtet Lopez - für eine Mexikanerin sei dies „typisch deutsch“. Die Zusammenarbeit mit Menschen unterschiedlicher Herkunft macht der Marktanalystin großen Spaß - es sei jedoch nicht immer ganz einfach. „Um Missverständnisse zu umgehen, muss man in manchen Fällen sehr vorsichtig vorgehen“, sagt sie. Daher habe sie auch schon interkulturelle Kurse belegt.

Wer gute Kräfte halten will, der müsse sich darum kümmern, dass sie sich mit ihren Familien in Deutschland wohlfühlen, betont Tjeenk Willink auf der „Welcome Party“ in Ingelheim. „Wenn die Familien nicht glücklich sind, dann kann der Mitarbeiter nicht seine Leistung bringen.“

dpa

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