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Wirtschaft Mitarbeiter des Luxuskaufhauses bangen um ihre Jobs
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18:07 09.06.2009
KaDeWe (Kaufhaus des Westens) in Berlin Quelle: Theo Heimann/ddp

In der Belegschaft sei die Stimmung sehr betrübt, sagte der stellvertretende Betriebsratvorsitzende Detlef Lange am Dienstag. Bei vielen Mitarbeitern flossen Tränen der Enttäuschung. Aber auch Wut war zu spüren. Inzwischen sucht auch die Politik das Gespräch mit den Betroffenen.

Die Mitarbeiter fühlten sich von den Verantwortlichen und der Bundesregierung „im Stich gelassen“, sagte Erika Ritter von der Gewerkschaft ver.di. „Zurzeit ist noch vollkommen unklar, was das Insolvenzverfahren für die Beschäftigten und die Standorte des Konzerns bringt. Da ist es völlig verständlich, dass die Beschäftigten stark verunsichert sind“. Der stellvertretende Betriebsratschef machte teilweise auch eine „gewisse Lähmung“ aus.

ver.di erwartet, „dass das Insolvenzverfahren mit großer Transparenz geführt wird und die Betroffenen möglichst schnell und umfassend unterrichtet werden können“, sagte Ritter. Die Gewerkschaft selbst wolle nach dem Bekanntwerden erster Einzelheiten ihre Mitglieder bei Karstadt in Versammlungen und auf Flugblättern beraten und informieren.

Das KaDeWe ist das Flaggschiff der Berliner Karstadt-Filialen. Es beschäftigt allein rund 1600 Menschen. Hinzu kommen nach Angaben des Betriebsrates etwa 500 Jobs von Fremdfirmen. Insgesamt stehen in den zehn Karstadt-Häusern der Hauptstadt rund 3600 Arbeitnehmer in Lohn und Brot.

Während die KaDeWe-Geschäftsführung die Entscheidung des Mutterkonzerns zunächst nicht kommentieren wollte, waren sich Kunden des Traditionskaufhauses überwiegend einig. Sie vertraten einhellig die Meinung, dass das KaDeWe eine Berliner Institution sei, die ihren festen Platz auf dem Tauentzien habe.

Eine Schülerin, die direkt um die Ecke des KaDeWe wohnt, zeigte sich sehr betroffen, weil sie quasi mit dem Kaufhaus aufgewachsen sei. Eine 54-jährige Anwohnerin kann sich die Straße nach eigener Aussage ohne die „Touristenattraktion KaDeWe“ gar nicht vorstellen. Sie hätte sich Unterstützung durch den Staat gewünscht, denn die dürfe nicht allein der Autobranche vorbehalten sein.

Eine Rentnerin, die seit Jahrzehnten selbst Kundin des Luxuskaufhauses ist, glaubt hingegen fest an eine Zukunft des Hauses: „Das KaDeWe wird nicht verschwinden. Es wird sich nur verändern.“ So hielt sie es für möglich, dass es seinen Service einschränke.

Auch die Politik bleibt trotz der Insolvenz optimistisch. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) will nach eigenen Angaben das Gespräch mit Betriebsräten, Gewerkschaftern und Unternehmensvertretern suchen. Er fordert, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten.

Unabhängig davon rät die Berliner Verbraucherzentrale den Kunden der Karstadt-Warenhäuser zur Vorsicht. Sie sollten Neubestellungen nur ohne Anzahlung vornehmen und Gutscheine umgehend einlösen. Bei Mängeln von Produkten empfehlen die Experten, Gewährleistungsansprüche zügig anzumelden.

ddp

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