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Wirtschaft Milliardenpoker um neue Handyfrequenzen hat begonnen
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19:21 12.04.2010
Das zu versteigernde Frequenzspektrum ist sehr viel größer als  bei der spektakulären UMTS-Versteigerung im Jahr 2000.
Das zu versteigernde Frequenzspektrum ist sehr viel größer als bei der spektakulären UMTS-Versteigerung im Jahr 2000. Quelle: dpa
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Die Mobilfunkfrequenzen werden seit Montag bei der Bundesnetzagentur versteigert: Unklar ist noch, wie viel Geld der Staat mit der Versteigerung der Frequenzen verdienen wird, auf denen die Mobilfunktechnik der vierten Generation (4G) schnelles Internet auch auf dem Land bieten soll.

An der Versteigerung nehmen die vier in Deutschland tätigen Mobilfunker T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus teil. In den ersten drei Runden am Montag boten die Unternehmen insgesamt fast 117 Millionen Euro für den freien Platz im Äther, wie die Bundesnetzagentur mitteilte. Teilweise boten sie auf einzelne Frequenzen deutlich mehr als das notwendige Minimum. Besonders begehrt waren die Frequenzen der sogenannten digitalen Dividende, die durch die Umstellung des Antennenfernsehens auf digitale Technik freigeworden ist. Diese Wellenlänge eignet sich besonders gut, um weiße Flecken auf dem Land mit schnellem Internet zu versorgen.

Das zu versteigernde Frequenzspektrum ist sehr viel größer als bei der spektakulären UMTS-Versteigerung im Jahr 2000. Trotzdem gilt als sicher, dass die Einnahmen am Ende nicht den damaligen Wert erreichen werden, als die Mobilfunker rund 50 Milliarden Euro an die Bundesregierung überwiesen. Beobachter rechnen mit einem einstelligen Milliardenbetrag. Auch die Dauer der Auktion ist noch unklar. Die Auktion könne mehrere Wochen dauern, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, im Deutschlandradio. Im Jahr 2000 hatte sich die Versteigerung ebenfalls über mehrere Wochen hingezogen.

Die neue 4G-Technologie soll deutlich schnelleres Internet ermöglichen als die bisherige Handytechnik, aber auch als DSL- und Kabelanschlüsse. Die Bieter mussten sich verpflichten, mit den ersteigerten Frequenzen der digitalen Dividende zuerst ländliche Gebiete zu versorgen, die bislang noch nicht ans schnelle Internet angeschlossen sind, da das Verlegen von Kabeln in die Regionen sich wirtschaftlich nicht lohnte.

Kritik übten Verbraucherschützer: Der Experte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Michael Bobrowski, monierte im Deutschlandfunk, mögliche Störungen durch die neue Technik etwa bei Antennen- oder Kabelfernsehbildern seien nicht ausreichend erforscht. Ungeklärt sei bislang auch, wer die Kosten für die Beseitigung solcher Störungen tragen müsse. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hatte bereits am Wochenende kritisiert, in Folge eines massiven Ausbaus von Mobilfunktechnik sei mit einer höheren Elektrosmog-Belastung und gesundheitlichen Schäden zu rechnen.

afp