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Wirtschaft Milliarden-Poker um den Militär-Airbus A400M
Mehr Welt Wirtschaft Milliarden-Poker um den Militär-Airbus A400M
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18:40 05.01.2010
Quelle: AP
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Noch vor gut drei Wochen Wochen hat Airbus-Chef Thomas Enders den Erstflug des Militär-Transporters A400 M als „Erfolg“ gefeiert, jetzt lässt er angeblich das Aus für das Rüstungsprogramm vorbereiten. Im Poker um die Frage, wer die milliardenschweren Mehrkosten wegen der Verzögerungen des Projekts tragen soll, erhöht das den Druck auf die Käuferregierungen um Deutschland und Frankreich.

„Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, hatte Enders schon im vergangenen März gesagt. EADS erreichte damals immerhin, dass die sieben europäischen Bestellnationen zunächst auf die mögliche Stornierung des Auftrags verzichteten. Seitdem wird der Termin für eine Einigung zu den Mehrkosten für die um drei Jahre verspätete Maschine immer weiter nach hinten geschoben. Ende Januar sollen jetzt die Würfel fallen.

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Schon zu Neujahr hatte Enders Druck aufgebaut. „Jetzt ist Zeit für Bewegung, so oder so“, sagte er „Welt Online“ am Freitag. Das A400M-Programm werde voraussichtlich keinen Gewinn abwerfen. „Ich kann es als Airbus-Chef deshalb nicht verantworten, mit so einem Rüstungsprogramm das ganze Unternehmen und damit auch die zivilen Programme zu gefährden.“

Der Airbus-Chef sei sehr skeptisch, ob mit den Bestell-Ländern bis Ende Januar eine Einigung über die Mehrkosten, hieß es jetzt in der „Financial Times Deutschland“. Diese beliefen sich auf insgesamt 11,3 Milliarden Euro, die Bestellnationen sollten davon 5,3 Milliarden Euro übernehme. Enders treffe nun konkrete Planungen für einen Ausstieg, hieß es. Es gebe bereits Listen von A400M-Ingenieuren, die künftig beim Bau der Zivilflugzeuge A350 und A380 eingesetzt werden sollten.

Das sei „eine Drohung an die Politik“, sagte Klaus-Heiner Röhl, Luftfahrtexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft (DIW) im Sender n-tv. „Denn es wäre an sich natürlich völlig unsinnig, jetzt, nachdem der Erstflug gelungen ist, auszusteigen.“

Tatsächlich ist EADS in keiner guten Verhandlungsposition. Bei einem Aus müsste der Konzern 5,7 Milliarden Euro zurückzahlen, die bereits geflossen sind - hinzu kämen Strafgelder in Milliardenhöhe. Nachdem das Unternehmen die Turbulenzen wegen der Verspätung des Super-Airbus A380 einigermaßen überwunden hat, würde das den Konzern wohl in eine neue Krise stürzen.

Politisch gesehen geht es vor allem um zwei Dinge: Kann Europa es sich leisten, das Prestigeprojekt im Rüstungssektor einfach sterben zu lassen? Dann müssten die Europäer ihre Transportflugzeuge weiter in den USA kaufen. Hinzu kommt, das in den Hauptbestell-Ländern Deutschland und Frankreich tausende Jobs an dem Flugzeug hängen.

Paris drängt Berlin deshalb schon seit Monaten, das A400M-Projekt unter allen Umständen zu retten - um so mehr, als Frankreich das grenzüberschreitende Kooperationsmodell EADS auf andere Industriebereiche ausweiten will. „Frankreich ist bereit, einen Teil zu bezahlen“, sagte Verteidigungsminister Hervé Morin zum Streit um die Mehrkosten. „Härtester Punkt“ in den Gesprächen sei „die deutsche Regierung“, die bisher auf den geltenden Verträgen besteht.

DIW-Experte Röhl glaubt, dass sich auch Deutschland schon wegen der Arbeitsplätze bewegen muss. Eine direkte Kaufpreiserhöhung um ein Viertel auf über 25 Milliarden Euro für 180 Maschinen lässt sich aber wegen der Finanzlage in den Staatshaushalten kaum durchsetzen. Diskutiert wird nach Medienberichten über eine Streckung der Auslieferung: Damit würden vorerst weniger Flugzeuge abgenommen, der Kaufpreis bliebe aber gleich. Die Regierungen sollen dann später nachordern.

AFP