Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Metro zieht Rettungszusage für Arcandor plötzlich zurück
Mehr Welt Wirtschaft Metro zieht Rettungszusage für Arcandor plötzlich zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:55 07.06.2009
Von Alexander Dahl
Konfusion: Statt Klarheit herrschte am Sonntagabend Konfusion wegen der geplanten Fusion von Karstadt und Kaufhof. Quelle: Torsten Silz/ddp

Gegen 17.30 Uhr gab Metro bekannt, sich mit dem Essener Konzern auf einen konkreten Verhandlungsfahrplan zur Bildung einer Deutschen Warenhaus AG geeinigt zu haben.

Nur 45 Minuten später zog Metro zog seine Erklärung zurück und ersetzte sie durch eine bloße Absichtserklärung. Alle Beteiligten hätten einen Beitrag zur Bildung einer Warenhaus AG zugesagt; weitere Gespräche würden in dieser Woche geführt, die Situation vertrage keinen Aufschub, hieß es ausweichend.

Es gab gleich mehrere Stolpersteine für eine schnelle Einigung. Metro wolle lieber ein insolventes Unternehmen übernehmen, da dies für den Handelsriesen billiger sei, hieß es gestern nach Informationen dieser Zeitung in Verhandlungskreisen in München, wo Arcandor- und Metro-Vertreter an geheimem Ort verhandelt hatten. Dieses Szenario ist nun ein großes Stück näher gerückt.

„Wenn wir am Sonntag wider Erwarten zu keiner Lösung kommen, die auch eine staatliche Unterstützung beinhaltet, dann wüssten wir bereits Montag, dass wir am Freitag nicht zahlen können – und müssten Insolvenzantrag stellen“, hatte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski erklärt, bevor Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick und Metro-Vorstand Eckhard Cordes mit den Gesprächen begannen. Freitag laufen Arcandor-Kredite in Höhe von 650 Millionen Euro aus.

Auch aus dem Bundeswirtschaftsministerium wurde Arcandor signalisiert, dass man dort die Möglichkeit einer Insolvenz gelassen betrachtet. Mit einem potenziellen Investor wie Metro im Rücken sei das Insolvenzverfahren nichts Furchterregendes mehr, verlautete in der Umgebung von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der CSU-Politiker hatte sich für eine privatfinanzierte Sanierung von Arcandor stark gemacht. Offenbar ist zu Guttenberg nur bereit, eine Brückenfinanzierung in einer Höhe zu bewilligen, die den kurzen Zeitraum bis zur vollen Übernahme durch Metro abdeckt.

Die Hunderte Millionen Euro schweren Anträge bei der EU auf Genehmigung von Krediten aus dem Deutschlandfonds oder Rettungsbeihilfen laufen weiter. Metro-Chef Cordes ließ gestern verlautbaren, er halte eine Arcandor-Rettung und die Bildung einer Warenhaus AG innerhalb von zwei Monaten für möglich, bat aber um eine staatliche „Notüberbrückung“. Über die will das Wirtschaftsministerium heute beraten, wenn die Münchener Ergebnisse vorliegen. Auch deshalb musste Metro offenbar die Verkündung der Übernahme zurückziehen: Dies hätte die Politik stark unter Druck gesetzt, ihr zuzustimmen.

Mehr zum Thema

Die Handelskonzerne Metro und Arcandor streben eine Fusion ihrer Warenhausketten Kaufhof und Karstadt an.

07.06.2009

Der kurz vor der Insolvenz stehende Reise- und Handelskonzern Arcandor will alle Voraussetzungen für die Gewährleistung von Staatshilfen schaffen.

07.06.2009

Metro-Chef Eckhard Cordes dringt auf schnelle Verhandlungen über eine Übernahme der Karstadt-Kaufhäuser. Jeder Tag, an dem der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor mit anderen Optionen spiele oder neue Optionen für Staatshilfen erörtere, sei ein verlorener Tag für konkrete Verhandlungen

07.06.2009

Die Handelskonzerne Metro und Arcandor streben eine Fusion ihrer Warenhausketten Kaufhof und Karstadt an.

07.06.2009

Der kurz vor der Insolvenz stehende Reise- und Handelskonzern Arcandor will alle Voraussetzungen für die Gewährleistung von Staatshilfen schaffen.

07.06.2009

Der Datenschutz-Sonderermittler Gerhart Baum rechnet mit weiteren Spitzelskandalen bei deutschen Konzernen. Die Deutsche Telekom und die Deutsche Bahn seien nur die "Spitze des Eisbergs" gewesen.

07.06.2009