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Wirtschaft Metro meldet sich bei Karstadt zurück
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08:18 04.06.2010
Quelle: dpa
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Nachdem Metro-Chef Eckhard Cordes schon vor zwei Wochen einen Brief an den Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg geschrieben hatte, gab es jetzt auch ein Gespräch mit Metro-Vertretern. Ein Sprecher Görgs bestätigte das Treffen am Donnerstag. Dem Vernehmen nach handelte es sich dabei aber nicht um Verhandlungen, sondern lediglich um ein Sondierungsgespräch. Der russische Karstadt-Bieter Artur Pachomow bat derweil um Aufschub der Verkaufsentscheidung, wie er der Zeitung „Die Welt“ sagte.

Der Karstadt-Insolvenzverwalter bleibe bei der Linie, dass die Essener Warenhauskette als Ganzes verkauft werden soll, betonte Görgs Sprecher. Dies sei auch im Insolvenzplan so vorgesehen. Die Metro AG hatte schon kurz vor der Karstadt-Pleite vor einem Jahr Interesse an bis zu 60 der 90 Karstadt-Warenhäuser bekundet. Die Häuser sollten das Filialnetz der Metro-Warenhaustochter Kaufhof ergänzen.

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Die Metro wirbt damit, dass sie den Betrieb zahlreicher Karstadt-Häuser zügig übernehmen könnte und damit ein Großteil der Arbeitsplätze gesichert wäre. Da die Metro vor allem an den großen Karstadt-Häusern interessiert ist, könnten schätzungsweise 18 000 bis 20 000 der insgesamt 25 000 Karstadt-Arbeitsplätze in eine solche Lösung einbezogen werden, wird in der Branche vermutet.

Die Metro-Tochter Kaufhof hat sich nach Angaben von Cordes jüngst „sensationell“ entwickelt. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen den bereinigten operativen Gewinn (Ebit) um 3,4 Prozent auf 119 Millionen Euro. Die Kosten für den Konzernumbau sind darin allerdings nicht enthalten – und einen Nettogewinn veröffentlicht Metro für seine Töchter nicht. Der Kaufhof-Umsatz sank um 1,9 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro.

Der Karstadt-Gläubigerausschuss will am Montag erneut beraten, welcher Bieter den Zuschlag bekommen soll. Die Unterschrift des Käufers soll bis zum 9. Juni erfolgen. Einen Tag später will das Essener Amtsgericht dann seine Entscheidung über das Inkrafttreten des Insolvenzplans verkünden. Derzeit gibt es drei Angebote für die komplette Warenhauskette Karstadt.

Darüber hinaus hatte sich zuletzt überraschend der russische Unternehmer Pachomow als Interessent gemeldet. Er habe Insolvenzverwalter Görg um Aufschub der Entscheidung über den Zuschlag gebeten. „Wir haben erklärt, dass wir Zutritt zu allen Unternehmensdaten und Zeit für deren Studium brauchen“, sagte der 48-Jährige. Pachomow hat ein nur wenige Seiten umfassendes Angebot abgegeben und keine Wirtschaftlichkeitsprüfung vorgenommen.

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