Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Mehr Konkurrenz in Niedersachsens Bahnverkehr
Mehr Welt Wirtschaft Mehr Konkurrenz in Niedersachsens Bahnverkehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:29 23.08.2011
Von Dirk Stelzl
In Niedersachsen spielen Konkurrenten der Deutschen Bahn – wie hier der Metronom – schon eine große Rolle. Quelle: Menn
Anzeige
Hannover

In den kommenden Jahren will die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) einen großen Teil der Schienennetze im Land ausschreiben und neu an Betreiber vergeben. „Unser Wettbewerbsprogramm ist ehrgeizig“, betont die LNVG, die als Tochter des Landes Nahverkehrsleistungen bei Bahnunternehmen bestellt. In Niedersachsen spielen DB-Konkurrenten wie die zum französischen Veolia-Konzern gehörende Nordwestbahn in Osnabrück oder der Metronom in Uelzen schon eine große Rolle. Der Marktanteil der Deutschen Bahn beträgt hier nach Angaben der LNVG „nur“ noch 45 Prozent. Im Dezember übernimmt die Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) in Celle, zu der indirekt auch der Metronom gehört, anstelle von DB Regio den Betrieb des „Heide-Kreuzes“ zwischen Hannover und Buchholz sowie zwischen Bremen und Uelzen.

Bis Ende 2013 will die LNVG gemeinsam mit anderen Bestellerorganisationen mehrere Netze mit rund 13 Millionen Zugkilometern ausschreiben – fast 40 Prozent der von ihr bestellten und finanzierten Nahverkehrsleistungen. Neu vergeben werden beispielsweise das bisher von DB Regio betriebene „Dieselnetz Niedersachsen-Südost“, die Regionalexpress-Linien Emden–Münster und Braunschweig–Rheine/Bielefeld oder das „Elektronetz Niedersachsen-Ost“.

Anzeige

Auch bei einigen vor Jahren schon einmal ausgeschriebenen Strecken steht eine neue Vergabe bevor. Dies gilt etwa für die Verbindung Uelzen–Hannover–Göttingen, für die zurzeit der Metronom zuständig ist. Ein Betreiberwechsel wäre Ende 2013 möglich. Ein weiteres Wettbieten soll es auch für bisherige Strecken der Nordwestbahn im Weser-Ems-Raum geben. Ende 2015 könnte dort ein neuer Betreiber an den Start gehen. Je nachdem, wie die in den nächsten Jahren geplanten Bietverfahren ausgehen, werden sich die Marktanteile in Niedersachsen verändern. Auch die Deutsche Bahn könnte aus den Wettbewerben als Sieger hervorgehen – und auch Aufträge zurückerobern.

„Unser Ausschreibungswettbewerb ist Garant dafür, dass wir mehr Zugleistungen und eine höhere Qualität für weniger oder für das gleiche Geld einkaufen – zum Beispiel zusätzliche Fahrten, ein höheres Platzangebot, mehr Kundenbetreuer oder neue Fahrzeuge“, sagt LNVG-Geschäftsführer Hans-Joachim Menn. Dadurch sichere sich die LNVG auch finanzielle Spielräume für eine Modernisierung von Bahnhöfen, da der Bund seine Bahn nicht mit genügend Geld ausstatte. „Davon profitieren Fahrgäste und Steuerzahler gleichermaßen.“ Die Landesnahverkehrsgesellschaft gibt jährlich knapp 300 Millionen Euro für den Nahverkehr auf der Schiene aus. Um Konkurrenten der DB den Markteintritt zu erleichtern, verfügt die LNVG über einen Pool mit rund 350 Fahrzeugen, die sie an Bahnunternehmen vermietet. Hohe Kosten durch die Beschaffung von Fahrzeugen seien für viele Firmen ein Hindernis im Wettbewerb, begründet die LNVG den eigenen Fuhrpark. Dies sei auch deshalb von Bedeutung, weil Banken seit der Finanzmarktkrise zurückhaltender bei der Kreditvergabe geworden seien. Dies wiederum bremse trotz einer bevorstehenden „Vergabewelle“ in Deutschland den Wettbewerb.