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Wirtschaft Massiver Auftragsrückgang für Kfz-Werkstätten
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00:17 07.03.2015
Von Lars Ruzic
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Hannover

Niedersachsens Autofahrer bringen ihre Wagen immer seltener in die Werkstatt. Im vergangenen Jahr habe es bei Reparaturaufträgen mit einem Rückgang um mehr als 8 Prozent  den größten Einbruch seit Jahrzehnten gegeben, sagte der Präsident des niedersächsischen Kfz-Gewerbes, Karl-Heinz Bley, am Mittwoch in Hannover. Der Serviceumsatz sei um 4 Prozent gesunken, was sich direkt in den Margen der Betriebe niedergeschlagen habe. Die Gewinne der Autohäuser seien dadurch um etwa ein Drittel zusammengeschmolzen, auf nur noch ein Prozent des Umsatzes – vor Steuern. „Davon können wir nicht leben“, sagte Bley.

Trend zum SUV

Das Werkstattgeschäft ist in der Branche seit jeher der zentrale Ertragsbringer. Am Neuwagenverkauf verdiene man in Zeiten von Tageszulassungen und Rabatten nichts mehr und bei Gebrauchten nur minimal, erklärte Bley. Die Gründe für das Ausbleiben der Service-Kunden sind vielfältig. Zum einen haben jüngere Fahrzeuge inzwischen längere Wartungsintervalle, zum anderen liefern Besitzer älterer Wagen ihre Autos kaum noch in etablierten Werkstätten ab.

„Wir müssen uns stärker um die Alten kümmern“, sagte Joachim Czychy vom Landesverband. Dazu gehöre auch, sich wieder intensiver um das Geschäft mit Glasreparaturen oder Reifenwechseln zu bemühen. Hier haben gerade die Vertragswerkstätten zuletzt viel Geschäft an spezialisierte Werkstattketten verloren.

Beim Autoverkauf profitierten die Händler im vergangenen Jahr vom Trend zu Innenstadt-Geländewagen, den sogenannten SUV („Sport Utility Vehicles“). Sie waren der größte Wachstumstreiber im Neuwagengeschäft, das um fast 14 Prozent auf mehr als 10 Milliarden Euro zulegte. Kein Fahrzeugsegment hat einen so hohen Anteil von Privatkunden. Die Verkäufe von SUV an gewerbliche und private Kunden hielten sich die Waage. Über alle Klassen machen die Firmen zwei Drittel des Geschäfts aus. Darunter fallen auch Tageszulassungen von Herstellern und Händlern, die anschließend mit Rabatt an Endkunden gehen.

Für dieses Jahr rechnet Bley in Niedersachsen mit einem minimalen Plus auf 1,13 Millionen verkaufte Neu- und Gebrauchtwagen. Dies wäre ein Rekordwert. Insgesamt kommt die Branche in Niedersachsen auf rund 3400 Betriebe und 50.000 Beschäftigte.

Kaufprämie für Elektroautos sorgt für Kritik

Scharfe Kritik übte Bley, der auch für die CDU im Landtag sitzt, an der Forderung des niedersächsischen Wirtschaftsministers Olaf Lies (SPD) nach einer Kaufprämie für Elektroautos. „Das würde die Absätze nur kurz aufflammen lassen, das Problem aber nicht nachhaltig lösen“, meinte Bley. Er plädierte stattdessen für verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für E-Autos, wie sie

derzeit auch die Bundesregierung diskutiert. Zudem müsse in Forschung und eine bessere Infrastruktur – etwa bei Ladesäulen – investiert werden. Lies hatte eine auf drei Jahre begrenzte staatliche Kaufprämie von 5000 Euro für jedes E-Auto ins Spiel gebracht. Zuletzt waren im Land 0,4 Prozent aller Neuwagen „Stromer“ – und das, obwohl die Metropolregion Hannover bundesweites Schaufenster für die Technologie ist.

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