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Wirtschaft Major Tom tritt ab – und will mehr Spielraum für Rüstungsexporte
Mehr Welt Wirtschaft Major Tom tritt ab – und will mehr Spielraum für Rüstungsexporte
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17:34 29.03.2019
Airbus CEO Tom Enders Quelle: picture alliance/AP Photo
München

Rote Cowboystiefel, zerfranste Jeans und ein bayerischer Trachtenjanker – Tom Enders bereitet sich sichtbar auf den Ruhestand vor. Am 11. April wird der deutsche Airbus-Chef das Zepter an seinen französischen Nachfolger Guillaume Faury übergeben. Wie ein Manager von der Stange gebärdet sich der 60-Jährige auch bei seinem Abschied vor Journalisten in München nicht.

Der Ex-Fallschirmjäger und Major der Reserve bleibt vor allem politisch unbequem. „Wir sind drauf und dran, die europäische Integration bei der Verteidigung zu verspielen, indem wir uns isolieren“, warnt er die Bundesregierung – sie hat soeben ihren Rüstungsexportstopp für Saudi-Arabien um ein halbes Jahr verlängert.

Enders sorgt sich nicht um Airbus. Der Konzern werde bei einem Umsatzanteil der Rüstung von rund einem Fünftel auch ein dauerhaftes Ausscheren Deutschlands überleben. Aber er hat wie wenige andere deutsche Manager ein Ohr an der französischen Politik und auch gute Drähte nach Großbritannien.

Dort werde ernsthaft diskutiert, europäische Rüstungsprojekte künftig ohne industrielle Beteiligung Deutschlands abzuwickeln. „German free products“, heißt das Schlagwort – Geräte frei von deutscher Technik damit hiesigen Exportvorschriften. „Ich halte das für eine sehr reale Gefahr“, sagt Enders.

Rüstungsgüter „german free“?

Betreffen könne das auch Drohen-Projekte oder den diskutierten Nachfolger für das Kampfflugzeug Eurofighter. Zumindest Letzteres werde es mit oder ohne Deutsche geben. Nicht nur Franzosen und Briten, auch Spanier und Italiener würden den deutschen Standpunkt bei Rüstungsexporten nicht mehr verstehen.

Ohne gemeinsame Exportmaßstäbe gebe es keine europäischen Rüstungsprojekte mit Deutschland. Man dürfe hier zu Lande nicht darauf spekulieren, dass Frankreich keine andere Option als Deutschland habe. „Das ist ein Irrtum“, warnt er. Auch Airbus als Unternehmen müsse sich überlegen, die Produktion von Rüstungsgütern möglichst „german free“ zu machen.

Als Freund der klaren Aussprache gilt der Sohn eines Schäfers von jeher. Gerade gegenüber der Politik nimmt der zackig auftretende Manager kein Blatt vor den Mund. Einer „Blutgrätsche“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei es zu verdanken gewesen, dass sein Plan von einer Rüstungsfusion mit der britischen BAE Systems sich vor sieben Jahren zerschlagen hat. Andererseits habe das eine weitgehende Entpolitisierung von Airbus ermöglicht, philosophiert der Mann rückblickend, der seit dieser Zeit Airbus-Chef ist und 28 Jahre lang für den Konzern und seine Vorgängerunternehmen gearbeitet hat.

Boeing-Crashs schlecht für die ganze Branche

Fast mitleidend urteilt er über das Debakel des US-Erzrivalen Boeing mit dem neuen Modell 737 Max. Nach zwei Abstürzen mit Hunderten Toten darf es derzeit nicht mehr fliegen, was wohl noch Monate so bleibt. „Ich bin der Letzte, der sagt: So etwas kann uns nicht passieren“, sagt Enders mit Blick auf diverse Airbus-Pannen, auch wenn diese weniger tödlich waren. Die 737-Abstürze seien schlecht für die ganze Branche und würden wohl Zulassungen von Flugzeugen künftig für alle komplizierter machen.

Trotz dieser engagierten Worte, glaubt Enders demnächst loslassen zu können. „Das industrielle Kapitel Luftfahrt ist für mich abgeschlossen“, sagt er. Das klingt nicht danach, dass der Manager nach einer Abkühlphase im Airbus-Verwaltungsrat wieder auftaucht. Weder will er sich nach neuen Führungsaufgaben umsehen noch den Berater oder Türöffner für andere spielen. Der Mann in den roten Cowboystiefeln, der mit seiner Familie am Tegernsee am Fuß der bayerischen Alpen wohnt, freut sich vielmehr auf mehr Zeit für die Berge. „Ich habe ohnehin nicht damit gerechnet, dass ich mich so lange im Sattel halte“, verrät er noch.

Von RND/Thomas Magenheim