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Wirtschaft MAN stellt sich auf hartes Jahr ein
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09:22 16.02.2010
Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen Quelle: dpa
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Die Belegschaft des Fahrzeug- und Maschinenbaukonzerns MAN muss sich 2010 auf Opfer einstellen: Wenn die Möglichkeiten der Kurzarbeit erschöpft sind, soll über Arbeitszeitverkürzung geredet werden.

Im vergangenen Jahr habe sich MAN „sehr gut geschlagen“, sagte Pachta-Reyhofen. Trotz eines Zusammenbruchs der Lkw-Märkte blieb der Konzern im operativen Geschäft in den schwarzen Zahlen. Zwei Sondereffekte brachten unter dem Strich dennoch einen Verlust: die Beteiligung am Lkw-Hersteller Scania und die Kosten der Korruptionsaffäre. Die Beteiligung am Konkurrenten Scania musste wegen des Kursverfalls der Aktien um 20 Prozent oder 357 Millionen Euro abgewertet werden. Die Schmiergeldaffäre zog 220 Millionen Euro Kosten nach sich. So blieb von einem operativen Ergebnis von 500 Millionen Euro (minus 60 Prozent) unterm Strich nichts übrig: Pachta-Reyhofen musste einen Fehlbetrag von 258 Millionen Euro präsentieren – nach 1,3 Milliarden Euro Gewinn im Jahr 2008.

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Die Lkw-Sparte hatte schwer zu kämpfen. Knapp 47 000 Nutzfahrzeuge liefen noch vom Band, nicht einmal halb so viele wie im Vorjahr. Das Ergebnis waren 91 Millionen Euro Verlust, wobei das von VW gekaufte Lkw-Geschäft in Brasilien hoch profitabel blieb und Schlimmeres verhinderte. Als Stütze erwies sich auch die zweite Konzernsparte: das mittlerweile fusionierte Geschäft mit Schiffsmotoren und Kraftwerken (MAN Diesel &Turbo).

Dank Kurzarbeit meisterte MAN den Zusammenbruch der europäischen Lkw-Märkte ohne betriebsbedingte Kündigungen beim Stammpersonal. Die Beschäftigtenzahl sank dennoch konzernweit um 3600. Leiharbeiter wurden nach Hause geschickt. Frei werdende Stellen blieben unbesetzt.

Besonders die europäischen Lkw-Märkte bleiben im Tal und werden Jahre brauchen, um wieder auf das Rekordniveau von 2008 mit rund 400 000 neu zugelassenen Lastwagen zu kommen, wie Pachta-Reyhofen sagte. Die Kurzarbeit werde bei MAN deshalb in Deutschland über das ganze Jahr hinweg weiterlaufen. Zwischen 40 und 50 Tage wird allein im ersten Halbjahr nicht gearbeitet. Betroffen sind 11 000 der weltweit rund 48 000 Beschäftigten.

Doch über Ende 2010 hinaus können die Münchener nicht mehr kurzarbeiten lassen, weil die gesetzlich maximal möglichen zwei Jahre dann erreicht sind. Bis Mitte des Jahres soll das MAN-Personal deshalb neuen Sparplänen zustimmen. Geplant ist eine Verringerung der Wochenarbeitszeit auf Basis von Tarifverträgen.

In diesem Jahr will Pachta-Reyhofen wegen der wegfallenden Sonderlasten auch nach Steuern schwarze Zahlen schreiben. Der operative Gewinn soll etwa auf Vorjahreshöhe bleiben. Ähnliches gilt für die Umsätze, die 2009 um ein Fünftel auf 12 Milliarden Euro geschrumpft sind.

Thomas Magenheim