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15:27 20.09.2012
Foto: Bis zum Jahreswechsel will die Lufthansa-Spitze ihren Sparkurs durchfgeführt haben. Dazu gehört eine konzerninterne Billigfluglinie.
Bis zum Jahreswechsel will die Lufthansa-Spitze ihren Sparkurs durchfgeführt haben. Dazu gehört eine konzerninterne Billigfluglinie. Quelle: dpa
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Frankfurt am Main

Schneller als erwartet dreht die Lufthansa-Spitze auf einen scharfen Sparkurs. Ungeachtet der ungeklärten Fragen bei den Besatzungen soll zum Jahreswechsel eine konzerninterne Billigfluglinie starten, um auf den Europastrecken der Konkurrenz von Ryanair oder Easyjet Paroli zu bieten. Was an der Börse für Zustimmung der Analysten und ein kleines Kursfeuerwerk sorgte, stürzt viele Lufthansa-Beschäftigte in neue Sorgen um ihre Arbeitsplätze.

Es ist keine kleine Gesellschaft, die Lufthansa-Chef Christoph Franz auf der Basis der Tochter Germanwings in Köln an den Start bringen will: 90 Flugzeuge, rund 2000 Flugbegleiter sowie 900 Piloten und Co-Piloten sollen bereits im ersten Jahr rund 18 Millionen Passagiere an ihre Ziele bringen. Sie wird für alle Flüge außerhalb der Drehkreuze München und Frankfurt zuständig sein. Zum Vergleich: Air Berlin verfügt über 152 Flieger und hat im vergangenen Jahr gut 35 Millionen Gäste durch Europa geflogen. Der gesamte Lufthansa-Konzern mit den Gesellschaften Swiss und Austrian Airlines kam auf über 100 Millionen Gäste.

Etwa 35 Maschinen sollen von der Kerngesellschaft Lufthansa Passage in die neue Gesellschaft verlagert werden, die restlichen Jets kommen von der bestehenden Germanwings-Flotte und der Lufthansa-Regionaltochter Eurowings. Ein neuer Markenname für das Produkt steht noch nicht fest, Favorit soll „Lufthansa Direct“ sein.

Umstritten ist bislang insbesondere, wer künftig in den bisherigen Lufthansa-Maschinen zu welchen Bedingungen arbeiten soll. Gerade hier sieht das Management große Einsparpotenziale, schließlich liegen die Leistungen für Flugbegleiter der Germanwings 40 Prozent unterhalb des Lufthansa-Niveaus. Viele Beschäftigte hätten Angst vor Versetzungen oder Kündigungen, berichtet Nicoley Baublies, Chef der Kabinengewerkschaft Ufo. Rund 1200 Flugbegleiter müssten möglicherweise wechseln.

Die Fronten sind verhärtet: Vor wenigen Tagen erst haben die Flugbegleiter in ihrem ersten Streik der Lufthansa-Geschichte mit weit über 1000 ausgefallenen Flügen demonstriert, wie ernst ihnen der Kampf um ihre Arbeitsbedingungen ist. Die mit Mühe erreichte Schlichtung unter Leitung des Ökonomen Bert Rürup ist laut Baublies bereits belastet, bevor sie richtig begonnen hat. Eine Billig-Tarifstufe innerhalb der Lufthansa werde es mit Ufo nicht geben, kündigt Baublies an. Eher wollen die rund 18.000 Flugbegleiter solidarisch ein wenig von ihren Besitzständen abgeben.

Die Börse hält den von Franz eingeschlagenen Kurs offenbar für den richtigen, die Kranich-Aktie setzte sich am Donnerstagmorgen souverän an die Spitze des Börsenindex DAX. Zustimmung kam unter anderem von Metzler-Analyst Jürgen Pieper, der die möglichen Einsparungen für die kommenden drei Jahre auf bis zu 300 Millionen Euro schätzt. Das wäre bereits ein schöner Teil des Sparbeitrags von jährlich 600 Millionen Euro, den Lufthansa Passage zum Sparpaket „Score“ beitragen soll.

„Das ist ein notwendiger Schritt, um in dem Bereich wieder wettbewerbsfähig zu werden. Notwendig sind Effizienzsteigerungen von 20 bis 25 Prozent“, lobt auch Commerzbank-Analyst Frank Skodzik die Vorstandspläne. Bei den Entgelten der Flugbegleiter gehe es nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen. Langfristig seien aber die Lufthansa-Verträge auf der Kurz- und Mittelstrecke nicht konkurrenzfähig, so dass man um einen neuen Billigtarif für die neue Gesellschaft nicht herumkommen werde. Die von Ufo angebotenen Zugeständnisse der gesamten Lufthansa-Belegschaft brächten zwar kurzfristig Entlastung, „aber in zwei Jahren hat man dieselben Probleme wieder auf dem Tisch“.

Auf seinem Kurs kann sich der zuletzt als zu technokratisch gescholtene Sanierer Franz zudem der Rückendeckung seines Aufsichtsrats sicher sein. Der bewies bei einer wichtigen Personalie Stehvermögen und legte sich wie bereits lange angekündigt auf Franz’ Vorgänger Wolfgang Mayrhuber als nächsten Aufsichtsratschef fest. Nach einer zweijährigen Abkühlzeit soll der Österreicher auf der Hauptversammlung 2013 zum Nachfolger des aus Altersgründen ausscheidenden „Mister Lufthansa“, Jürgen Weber, gekürt werden.

Die Kritik an kostenträchtigen Fehlentscheidungen aus Mayrhubers Vorstandszeit hat offenbar nicht verfangen. Seine Berufung signalisiere auch Kontinuität, findet Analyst Skodzik. Der frühere Vorstandschef sei auch für die erfolgreiche Sanierung der Swiss verantwortlich gewesen und nicht nur für die Probleme bei der Austrian oder der inzwischen mit großen Verlusten wieder abgestoßenen British Midland.

dpa

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