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21:14 22.08.2010
Gleiche Arbeit, unterschiedlicher Lohn: Bei Privatanbietern verdienen Lokführer deutlich weniger als bei der Deutschen Bahn. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Am Montag beginnen die Gespräche der GDL mit den fünf größten privaten Bahnkonzernen Veolia, Abellio, Arriva, Keolis und Benex.

„Das Ziel sind 100 Prozent DB-Lohnniveau auch bei den Privaten“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky im Vorfeld der Verhandlungen. Die GDL will einen einheitlichen Flächentarifvertrag für alle rund 20.000 Lokführer in Deutschland durchsetzen. Daneben fordert sie Entgeltsteigerungen um 5 Prozent. Parallel laufen zudem Verhandlungen der beiden anderen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA für die übrigen Bahnbeschäftigten.

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Wichtigster Streitpunkt ist im Moment die Frage, wie Lokführer weiterbeschäftigt werden, wenn ein Konkurrent den Zuschlag für „ihre“ angestammte Strecke bekommt. „Bisher werden DB-Lokführer dann oft in andere Regionen und sogar von Hamburg nach München versetzt, was hohe Belastungen zur Folge hat“, kritisiert Weselsky. Nach den Vorstellungen der GDL soll der Konzern die Mitarbeiter freistellen, damit sie am Ort bleiben und die Züge des Konkurrenten fahren können, der die Strecken vom Ex-monopolisten DB übernimmt. Eine solche Regelung strebt die Gewerkschaft auch mit den Privatbahnen an.

Die Bahn habe am Sonnabend erstmals ein schriftliches Angebot zur Frage der Weiterbeschäftigung vorgelegt, berichtete die GDL. Dies sei allerdings völlig unzureichend. Man habe weitere Treffen vereinbart. „Allerdings ist unsere Geduld nach vier Verhandlungen und ebenso vielen Sondierungen nicht endlos. Wir erwarten Ergebnisse“, sagte Weselsky.

Parallel sollen die Privatbahnen in die gleiche Richtung bewegt werden. Heute beginnen die Gespräche der Lokführer, morgen reden die fünf Privatanbieter dann auch mit Transnet über einen Branchentarifvertrag. „Unser Ziel ist, einen gemeinsamen Tarifvertrag abzuschließen, der alle Berufsbilder erfasst“, sagte ein Sprecher der Benex-Holding. Der Vertrag solle für gut 10.000 Beschäftigte der Unternehmen Benex, Abellio, Arriva, Keolis Deutschland und Veolia Verkehr ausgehandelt werden.

Transnet-Chef Alexander Kirchner drohte bereits mit Streiks im Regionalverkehr. „Wenn wir bei den Verhandlungen feststellen sollten, dass wir hingehalten werden, greifen wir auch zum Mittel des flächendeckenden Arbeitskampfes“, sagte Kirchner dem Berliner „Tagesspiegel“. Die Löhne der Deutschen Bahn seien die Messlatte für ein bundesweit einheitliches Niveau. Die Einkommen bei den Konkurrenzunternehmen liegen teils um 20 Prozent niedriger, aber auch der Staatskonzern versucht, mit Tochtergesellschaften die Kosten zu drücken.

Thomas Wüpper