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09:09 11.11.2013
Von Marina Kormbaki
Foto: „Mehr tun, schnell sein“: Finanzminister Andris Vilks führt Lettland in den Euro-Raum.
„Mehr tun, schnell sein“: Finanzminister Andris Vilks führt Lettland in den Euro-Raum. Quelle: Surrey
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Hannover

Nein, die Krise des Euro ist noch nicht vorüber. Wer nach Belegen sucht, der findet sie zuhauf: Die Europäische Zentralbank drückt den Leitzins auf ein Rekordtief, Ratingagenturen senken den Daumen über Frankreich, Griechenland fleht um mehr Zeit für Reformen. Ja, solche Nachrichten dringen auch bis nach Lettland vor. Und trotzdem: Das kleine baltische Land schickt sich an, das 18. Mitglied der Währungsgemeinschaft zu werden. Lettland führt zum 1. Januar 2014 den Euro ein. Krise hin oder her. Ist der Zeitpunkt nicht arg fahrlässig?

„Der Zeitpunkt ist genau richtig“, sagt der lettische Finanzminister Andris Vilks im Gespräch mit der HAZ. „Wobei noch besser gewesen wäre, wir hätten den Euro bereits vor zehn Jahren eingeführt.“ Das soll kein Scherz sein; der leise, besonnene Minister Vilks nennt Zahlen zur Erläuterung. Viele Zahlen. Die lettischen Statistiker haben offenbar ganze Arbeit geleistet. So als könnte akkurate Vermessung dem tiefen Fall, den Lettland mit Ausbruch der Weltfinanzkrise genommen hat, etwas von seiner Wucht nehmen.

Erfolgreiche Radikalkur

„Wir sind 2004 der EU beigetreten, ein Jahr später wurde der Kurs unserer Währung, des Lats, an den Euro gekoppelt – und dann setze eine Überhitzung unserer Wirtschaft ein“, sagt Vilks. „Die Letten wähnten sich in Sicherheit: Die Bürger konsumierten auf Pump, der Staat nahm unbekümmert Schulden auf – und wie sich dann zeigen sollte, verfügten wir über keinerlei Schutzinstrumente.“ Um beinahe 20 Prozent ging das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2009 zurück, das Jahr darauf betrug die Arbeitslosenquote 21 Prozent. Gehälter wurden um 30, 40 Prozent gekürzt, das Zwei-Millionen-Land verlor seit Krisenbeginn ein Zehntel seiner Einwohner – Junge, gut Ausgebildete suchen ihr Glück woanders. Traurige Zahlen.

Entlassungen, Gehaltskürzungen, Steuererhöhungen und Auswanderung waren Krisenerscheinungen – aber auch Maßnahmen einer Radikalkur, mit der Lettland in erstaunlich kurzer Zeit den Trend der Zahlen umkehren konnte: Es geht wieder aufwärts. Das kleine Land hat das höchste Wirtschaftswachstum in der EU, und es erfüllt die Maastricht-Kriterien derart vorbildlich, dass Vilks in den Hauptstädten Südeuropas ein gefragter Ratgeber ist: Wie gehts es raus aus der Krise? „Man muss schnell reagieren“, sagt Vilks und klingt dabei ein bisschen so, als hoffe er, dass Kanzlerin Angela Merkel das jetzt bitte liest: „Man muss als Regierung mehr tun, als die internationalen Partner erwarten, und schneller sein, als sie hoffen.“

Bekenntnisse zur Sparpolitik hört man gern in Deutschland. „Keine Frage – Lettland hat eine erfreuliche Entwicklung hinter sich, mir erscheint der Euro-Beitritt als logische Konsequenz“ – Burkhard Balz, CDU-Abgeordneter im EU-Parlament, hat sich sehr dafür eingesetzt, dass Lettland in den Euro-Klub aufgenommen wird. Und Deutschland leiste dazu einen speziellen Beitrag, verrät Balz: „Die lettischen Euro-Münzen werden in der Staatlichen Münze Baden-Württemberg geprägt, und die neutralen Banknoten erhält Lettland fürs Erste als Leihgabe von der Deutschen Bundesbank.“

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