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14:55 15.01.2015
Von Jens Heitmann
Bobby the Robin“: Das Rotkehlchen in Lego stammt vom Laien-Entwickler.
Bobby the Robin“: Das Rotkehlchen in Lego stammt vom Laien-Entwickler. Quelle: Lego
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Hannover

Als im Frühjahr 2012 ein Rotkehlchen zufällig auf seinem Spaten landete, dachte Tom Poulsom bei Weitem nicht daran, das Geschäft von Lego anzukurbeln. „Es war eine andere Art von Heureka-Moment“, berichtet der Gärtner aus dem englischen Südwesten auf der Homepage des Spielzeugherstellers. „Dich werde ich aus Klötzchen nachbauen“, habe er beschlossen und noch am gleichen Abend angefangen.

Es blieb dann nicht bei „Bobby the Robin“, bald folgten eine Blauelster und ein Kolibri. Poulsom postete Bilder seiner Kreationen beim Online-Dienst Flickr – und war vom Echo überwältigt: „Das war ein Hit!“ Jemand schlug dem Gärtner vor, die Plastikvögel doch dem Spielzeugkonzern Lego als Idee für neue Figuren anzubieten. Seit Jahresbeginn sind Poulsoms Kreationen unter der Marke Lego im Handel erhältlich.

Der dänische Konzern nutzt die Kreativität der Klötzchen-Enthusiasten professionell: Ein halbes Dutzend Mitarbeiter in der Zentrale klopft die Einfälle der privaten Tüftler auf ihre Vermarktbarkeit ab. Das Potenzial ist enorm: Jeden Monat loggen sich mehr als eine halbe Million Fans auf Legos „Ideen-Seite“ ein, präsentieren eigene Entwürfe und bewerten die anderer.

Schon die Entwicklungsarbeit auf die Kunden abzuwälzen, wäre eine clevere Strategie; die Dänen gehen aber noch einen Schritt weiter und lassen ihre Hobbykonstrukteure auch einen Großteil des Marketings übernehmen: Nur wer auf der „Ideen“-Seite innerhalb eines Jahres mindestens 10 000 positive Stimmen für sein Modell sammelt, darf darauf hoffen, das es auch in Serie geht. Entsprechend engagiert promoten die Klötzchenbauer ihre Entwürfe auf Facebook, Flickr und Twitter. Wird ein Entwurf in das Lego-Sortiment aufgenommen, erhält der Entwickler 1 Prozent des Nettoumsatzes seiner Figur und fünf Exemplare davon.

Auf den Gedanken mit der „Ideen“-Seite ist Lego in Japan gekommen. Dort hatten auf einer nur wenig besuchten Internetseite tausend Nutzer den Nachbau des bekannten Tiefsee-U-Bootes Shinkai 6500 begeistert kommentiert und nach einer Kaufgelegenheit gefragt. Die Dänen verstanden den Hinweis: „Wir lassen heute die Nutzer die schwere Arbeit machen“, sagte Lego-Manager Peter Espersen jüngst in einem Interview. „Wenn wir uns dafür entscheiden, aus dem Prototyp ein Produkt zu machen, haben wir schon viele Daten, um den Geschäftserfolg zu unterstützen."

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