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Wirtschaft Milch wird um 10 Cent billiger
Mehr Welt Wirtschaft Milch wird um 10 Cent billiger
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18:28 03.11.2014
Von Carola Böse-Fischer
Überraschung am Montag: Die Milch ist um 10 Cent billiger geworden.
Überraschung am Montag: Die Milch ist um 10 Cent billiger geworden. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Auch für Quark, Sahne, Schmand und Kondensmilch senkten die Handelsriesen die Preise. Teils deutlich billiger bieten sie zudem Fleisch-und Wurstprodukte wie Bratwurst, Gulasch, Hackfleisch sowie Fleischwurst an.

Die Discounter begründeten die Preissenkungen mit sinkenden Rohstoffpreisen als Folge eines Überangebots auf dem Milch- und Fleischmarkt. Dadurch könne der Handel einen „günstigeren Einkaufspreis erzielen“, teilten die beiden Unternehmen mit. Diese „Ersparnisse“ gebe man an die Kunden weiter.

Aldi gilt in der Lebensmittelbranche als Preisführer, an dem sich die Wettbewerber ausrichten. Aldis schärfster Konkurrent Lidl reagierte denn auch umgehend: „Lidl Deutschland vollzieht die von einem Mitbewerber ausgelöste Preissenkung ebenfalls nach und folgt damit dem Gesamtmarkt“, hieß es am Montag in einer Mitteilung. Auch der Discounter Norma senkte eine Reihe von Preisen. Ein Sprecher von Rewe und Penny kündigte an, man werde mit den „jeweiligen Preiseinstiegseigenmarken auf die vom Wettbewerb ausgelöste Preisrunde bei Milch und Fleisch reagieren“. Auch Edeka und die Edeka-Tochter Netto-Markendiscount kündigten Preissenkungen an.

Während sich Konsumenten über billigere Produkte im Supermarkt freuen, wächst bei Landwirten die Sorge über schwindende Erlöse. Seit dem Sommer fallen die Preise, die die Molkereien den Bauern für ihre Milch zahlen, wie Werner Rüther, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen, berichtet. Zurzeit bekämen die Milchbauern in Niedersachsen im Schnitt noch 33 Cent für den Liter Rohmilch. Anfang des Jahres waren es immerhin rund 40 Cent.

Deutscher Bauernverband übt scharfe Kritik

Der Preisdruck dürfte nach Einschätzung des Milchexperten vorerst anhalten. Zwar wachse weltweit die Nachfrage nach Milchprodukten weiter. Das gelte besonders für den chinesischen Markt. Aber das Angebot nehme noch schneller zu, weil große Milcherzeuger-Länder wie die USA, Neuseeland, Australien oder Argentinien auf die vorangegangene Hochpreisphase mit einer starken Ausweitung der Produktion reagiert hätten, erklärte Rüther. Auch die deutschen Milchbauern steigerten ihre Milcherzeugung kräftig.

Noch schätzt Rüther die Lage für die Erzeuger in Niedersachsen nicht als bedrohlich ein. Da sie vorher gutes Geld verdient hätten, müssten sie den Preisdruck „aushalten können“. Problematisch werde es jedoch, wenn die Erzeugerpreise unter 30 Cent fielen. Dann drohten viele Betriebe in die roten Zahlen zu rutschen, weil sie nicht mehr kostendeckend produzieren könnten.

Scharfe Kritik an den neuerlichen Preissenkungen der Handelskonzerne übte der Deutsche Bauernverband. Es sei „nicht akzeptabel, wenn Molkereien und Lebensmittelhandel als einzige Antwort auf die derzeitige Marktsituation in die alten Verhaltensmuster der Billigpreispolitik zurückfallen“. Dies widerspreche auch deren Verantwortung gegenüber den Milchbauern und der Milchproduktion in Deutschland. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter fordert von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) einen Runden Tisch. „Wir steuern wieder auf eine Krise zu“, sagte Verbandssprecher Hans Foldenauer.