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Wirtschaft Lage um JPMorgan spitzt sich zu
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16:08 17.05.2012
Foto: Die Verluste der US-Großbank JPMorgan sind größer als erwartet.
Die Verluste der US-Großbank JPMorgan sind größer als erwartet.
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New York

Für die US-Großbank JPMorgan Chase kommt es knüppeldick. Nach Informationen der „New York Times" sind die Verluste aus den fehlgeschlagenen Finanzwetten von ursprünglich 2 Milliarden binnen einer Woche auf mindestens 3 Milliarden Dollar angeschwollen. Hedgefonds und Spekulanten hätten die Notlage der Bank ausgenutzt, hieß es am Donnerstag unter Berufung auf eingeweihte Personen. Die Bank selbst äußerte sich nicht dazu.

JPMorgan-Chef Jamie Dimon hatte bereits bei seiner Offenbarung des Milliardenverlusts am vergangenen Donnerstag erklärt, dass die Bank weiteres Geld verlieren dürfte. Überraschend ist die Geschwindigkeit, mit der Amerikas größtes Geldhaus wegen seiner Zockereien weiter abrutscht. JPMorgan hat das große Problem, dass jetzt alle Marktteilnehmer von den eigentlich geheimen Geschäften wissen. Hedgefonds und andere Spekulanten wetten nun dagegen.

Überdies, so merkte die „New York Times" an, arbeite Bruno Iksil nicht mehr am verantwortlichen Londoner Handelstisch. Der JPMorgan-Händler hatte als „Wal von London" Berühmtheit erlangt, weil er ein derart großes Rad mit seinen riskanten Geschäften drehte, dass der Markt verzerrt wurde. Sein Wissen um die komplexen Finanzspekulationen sei schwer zu ersetzen, hieß es.

Im vorbörslichen New Yorker Handel fiel die gebeutelte JPMorgan-Aktie um ein weiteres Prozent. Wegen des Kurseinbruchs nach Bekanntgabe des Spekulationsverlusts hat sich die Bank mittlerweile mindestens zwei Klagen von Anlegern eingehandelt. Sie fühlen sich vom Management hinters Licht geführt und werfen Bankchef Dimon sowie Finanzchef Douglas Braunstein vor, die Risiken der Finanzwetten schöngeredet zu haben.

Nach der Bekanntgabe des Fehlschlags war die Aktie am Folgetag um 9 Prozent eingebrochen und später weiter gefallen. Binnen zwei Handelstagen seien mehr als 18,8 Milliarden Dollar an Börsenwert verpufft, erklärten die Anwälte des Saratoga Advantage Trust in ihrer am Mittwoch bekanntgewordenen Klageschrift. Sie verlangen Wiedergutmachung und streben eine der gefürchteten Sammelklagen an, der sich weitere Geschädigte anschließen können.

Nach Angaben der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg hat der Kalifornier James Baker ebenfalls Klage vor dem Bezirksgericht von Manhattan eingereicht. Auch er bezieht sich demnach auf Äußerungen von Bankchef Dimon, der noch im April mehrere Medienberichte über ungewöhnlich große und riskante Finanzwetten der Bank als „Sturm im Wasserglas" abgetan hatte. Dimon verteidigte sich zwischenzeitlich, er habe es damals nicht besser gewusst.

Die US-Finanzaufsichtsbehörden sowie die Bundespolizei FBI schauen sich die verlustreichen Geschäfte an, wobei noch vollkommen unklar ist, ob die Bank gegen Gesetze verstoßen hat. Der Milliardenverlust hat überdies in Washington den Unterstützern der sogenannten „Volcker Rule" Auftrieb gegeben, die das Spekulieren mit eigenem Geld bei den Banken unterbinden soll. Dimon ist einer der größten Gegner einer strengeren Bankenregulierung.

Das Weiße Haus wolle das anstehende Gesetz nach dem Desaster bei der größten Bank des Landes verschärfen, berichtete das „Wall Street Journal". Bank-Lobbyisten hatten die „Volcker Rule" in der Vergangenheit immer weiter aufgeweicht und die Republikaner sie mehrfach blockiert. Eine der Kernfragen ist, wo sogenannte Absicherungsgeschäfte aufhören und wann das Zocken beginnt. Der gigantische Milliardenverlust war nach Aussagen von JPMorgan entstanden, als die Bank ihr Kreditportfolio gegen die Auswirkungen der europäische Schuldenkrise absichern wollte.

Trotz des Desasters dürfte die Bank im laufenden Quartal einen Milliardengewinn schreiben. US-Präsident Barack Obama hatte JPMorgan eine der am besten geführten Banken des Landes genannt - gleichzeitig aber davor gewarnt, dass ein schwächeres Kreditinstitut womöglich unter den Milliardenverlusten zusammengeklappt wäre. Eine strengere Bankenregulierung ist eines der zentralen Anliegen Obamas nach den Erfahrungen der Finanzkrise von 2008 und 2009, als der Staat mit Steuergeldern eine ganze Reihe an Banken gerettet hat.

dpa

17.05.2012
17.05.2012