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Wirtschaft Krumme Geschäfte in der Finanzkrise: US-Bankchef muss büßen
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10:23 17.10.2010
Quelle: dpa
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Es ist eine der härtesten Strafen im Zusammenhang mit der Finanzkrise: Der ehemalige Chef des einst größten US-Immobilienfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo, muss insgesamt 67,5 Millionen Dollar (48 Mio Euro) zahlen, weil er seine Aktionäre über die gefährlichen Geschäfte der Firma auf dem Hypothekenmarkt im Unklaren gelassen hatte. Die Anleger verloren daraufhin viel Geld, während Mozilo selbst rechtzeitig ausstieg und reich wurde.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC zog Mozilo nun zur Rechenschaft. Die US-Medien feierten das Durchgreifen am Wochenende als einen der wenigen Fälle, in denen ein Firmenchef persönlich büßen musste. Bislang waren es - wenn überhaupt - die Unternehmen, die die Rechnung beglichen. Spektakulärster Fall war der von Goldman Sachs. Die Investmentbank hatte Investoren nach Ansicht der SEC getäuscht und um einen Milliardenbetrag gebracht. Goldman musste 550 Millionen Dollar berappen.

SEC-Chefermittler Robert Khuzami sprach am Freitag von einer gerechten Strafe für den ehemaligen Countrywide-Lenker Mozilo. Niemals zuvor hatte die Börsenaufsicht nach eigenen Angaben eine höhere Buße gegen einen Konzernchef verhängt. Das Geld, mit dem zum überwiegenden Teil Mozilos Gewinne aus seinen Börsengeschäften abgeschöpft werden sollen, fließt den geschädigten Anlegern zu. Mozilo darf überdies nie mehr ein börsennotiertes Unternehmen führen.

Countrywide gilt wegen einer am Ende immer laxeren Kreditvergabe als wesentlich mitverantwortlich für die Immobilienkrise. Daraus erwuchs später die Finanz- und letztlich die Wirtschaftskrise. Der heute 71-jährige Mozilo, Sohn eines Metzgers aus dem New Yorker Problemstadtteil Bronx, hatte die Hypothekenbank vor vier Jahrzehnten zusammen mit einem inzwischen gestorbenen Partner gegründet. Die Firma wuchs rasant und stieg zur Nummer eins der Branche auf.

Die SEC belangte zusammen mit Mozilo noch zwei weitere frühere Topmanager. Das Trio wusste demnach um die hohen Risiken, die Countrywide bei seinen Hypothekengeschäften einging. E-Mails verrieten sie. So schrieb Mozilo im April 2006 an den für das Tagesgeschäft verantwortlichen David Sambol: „In all meinen Jahren im Geschäft habe ich niemals ein Produkt gesehen, das toxischer ist.“

In Zeiten stetig steigender Häuserpreise hatten selbst diejenigen von Countrywide noch Kredite bekommen, die kaum Geld oder Sicherheiten hatten. Dann brach der Markt 2007 abrupt zusammen. Die Preise fielen, die Zinsen stiegen, die Zahl der säumigen Schuldner nahm zu, Countrywide geriet in Not. Schließlich übernahm die Bank of America das Unternehmen 2008 für einen Bruchteil des früheren Werts.

Während viele Aktionäre Geld verloren, hatte Mozilo seine Schäfchen laut SEC schon 2006 ins Trockene gebracht. Auf Basis vertraulicher Informationen soll er illegale Gewinne von rund 140 Millionen Dollar eingestrichen haben. Um einem langwierigen und unkalkulierbaren Gerichtsverfahren aus dem Weg zu gehen, setzte die SEC im Rahmen eines Vergleichs nun aber eine niedrigere Summe an. Ein Richter erteilte der Übereinkunft seinen Segen.

Einen Teil der Summe übernimmt die Bank of America wegen alter Verträge zwischen Mozilo und der geschluckten Countrywide. Die US-Großbank hat den Firmennamen zwischenzeitlich gestrichen, leidet aber noch heute an faulen Krediten aus der Übernahme. Denn der Häusermarkt erholt sich nur langsam. Die Arbeitslosigkeit in den Staaten ist anhaltend hoch.

Die SEC hatte Mitte vergangenen Jahres Klage gegen Mozilo sowie den früheren Countrywide-Finanzchef Eric Sieracki und den einstigen operativen Leiter Sambol erhoben. Eine Schuld haben die drei bis heute nicht eingeräumt. Unabhängig von dem SEC-Vergleich wartet noch ein Strafverfahren auf sie.

dpa