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Wirtschaft Kritik an Deutsche-Bank-Chef Fitschen reißt nicht ab
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14:00 18.12.2012
Auch nach dem Eingeständnis von Fehlern in der Steueraffäre reißt die Kritik an Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen nicht ab. (Archiv) Quelle: dpa
Frankfurt/Main

Auch nach dem Eingeständnis von Fehlern in der Steueraffäre reißt die Kritik an Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen nicht ab. „Herr Fitschen sollte klarstellen, dass er sich einer unabhängigen Justiz gegenübersieht“, forderte Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) auf „Handelsblatt Online“ am Dienstag.

Fitschen hatte sich nach der Razzia bei der Deutschen Bank vergangene Woche Mittwoch telefonisch bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) beklagt, dass der massive Polizeieinsatz verheerend für das Image des Geldhauses sei. Bouffier stellte nach Angaben seines Sprechers klar, „dass es staatsanwaltschaftliche Ermittlungen sind, in die er sich nicht einmischen könne“.

„Wir stehen in der Kritik - zu Recht“

Am Montag verlautete aus Fitschens Umfeld, er bedauere den Anruf inzwischen. Bei einer Veranstaltung in Essen am Montagabend ging Fitschen nur mit einem Satz direkt auf die aktuellen Ereignisse ein: „Ich bin etwas heiser, ich musste öfter telefonieren.“

Weiter sagte Fitschen: „Wir stehen in der Kritik - zu Recht.“ Der 64-Jährige, der die Bank seit Juni gemeinsam mit dem Investmentbanker Anshu Jain führt, bekräftigte seinen Anspruch, eine neue Kultur in Deutschlands größtem Geldhaus zu etablieren: „Deswegen habe ich für unser Haus gesagt, dass wir die Kultur ändern müssen.“

Fitschen erklärte: „Ein wesentlicher Bestandteil liegt darin, Verantwortung wieder stärker bei uns zu verankern: Verantwortung bei jedem einzelnen Mitarbeiter in der Bank, auch kontrolliert durch die Gruppe und vorgelebt.“ Dazu verpflichte sich die Bank - „ungeachtet dessen, dass wir eine Vergangenheit haben, die es abzuarbeiten gilt“, sagte Fitschen in Essen.

500 Fahnder im Einsatz

500 Fahnder hatten am vergangenen Mittwoch unter anderem die Zentrale des Dax-Konzerns in Frankfurt durchsucht. Ermittelt wird wegen schwerer Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchter Strafvereitelung beim Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate).

Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft hat 25 Beschäftigte im Visier, darunter Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause. Die beiden Vorstände hatten die - später korrigierte - Steuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben. Fünf Mitarbeiter wurden verhaftet, vier davon blieben zunächst in Untersuchungshaft.

Die Deutschen Bank versicherte mehrfach, sie werde bei der Aufklärung „vollumfänglich mit den Behörden kooperieren“. In dem Verfahren, das im April 2010 mit einer ersten Razzia bei der Deutschen Bank öffentlich geworden war, waren im Dezember 2011 sechs Bankkunden als Betreiber von Umsatzsteuerkarussellen zu Haftstrafen verurteilt worden. Vor einigen Monaten suspendierte die Deutsche Bank mindestens fünf Händler, die an dem illegalen Zertifikatehandel beteiligt gewesen sein sollen.

dpa

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