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Wirtschaft Krise in Osteuropa bremst Henkel
Mehr Welt Wirtschaft Krise in Osteuropa bremst Henkel
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21:38 12.08.2014
Foto: Das Geschäft mit Klebstoffen wuchs auch im zweiten Quartal.
Das Geschäft mit Klebstoffen wuchs auch im zweiten Quartal. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Der Konsumgüterkonzern, Hersteller zum Beispiel von Pritt und Persil, erwarte wegen des Konflikts sowie der Unruhen in Nahost „negative Einflüsse auf das Marktumfeld“, sagte Henkel-Chef Kasper Rorsted am Dienstag.

Henkel sei mit den schwersten politischen Turbulenzen der vergangenen zehn Jahre in Osteuropa konfrontiert. Deshalb könne sich das Gewinnwachstum in der zweiten Jahreshälfte verlangsamen. Obwohl Rorsted die Prognosen für das Gesamtjahr beibehielt, brach die Henkel-Aktie am Dienstag um mehr als 5 Prozent ein.

Henkel ist seit 1991 in Russland vertreten, mit rund einer Milliarde Euro Umsatz ist das Land für den Konzern der weltweit viertgrößte Markt. Rund 2500 Mitarbeiter werden dort beschäftigt, in der Ukraine sind es etwa 1000 Menschen. Der Konzern unterhält in beiden Ländern Fabriken, in der Ukraine produzieren sie derzeit aber nur an drei Tagen in der Woche. Für die Standorte in Russland denke er vorerst nicht an Kurzarbeit, denn im ersten Halbjahr habe Henkel dort noch keine wirtschaftliche Abkühlung registriert. Im zweiten Halbjahr könne sich dies jedoch ändern. Ror-
sted sagte, Henkel sei bislang nicht direkt von den Handelssanktionen betroffen, die die Europäische Union gegen Russland verhängt hat. Für Kunden des Konzerns, die in ihren Produkten beispielsweise Klebstoff verwenden, könne dies aber anders aussehen.

Die Probleme in Osteuropa hinterließen auch Spuren in der Henkel-Bilanz. Im zweiten Quartal schrumpfte der Umsatz dort von 799 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 739 Millionen Euro. Im Konzern gaben die Erlöse insgesamt um 3,5 Prozent auf 4,14 Milliarden Euro nach. Dabei wirkte sich auch die Aufwertung des Euro aus – besonders deutlich gegenüber dem zuletzt sehr schwachen Rubel.

Bereinigt um Währungseffekte legte der Konzernumsatz im zweiten Quartal um 3,3 Prozent zu. Dank seines Sparkurses konnte Rorsted den Gewinn aber dennoch steigern. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis stieg um 2,1 Prozent auf 674 Millionen Euro, der Nettogewinn kletterte auf 441 (Vorjahr: 418) Millionen Euro.

Rorsted hat den Markendschungel bei Henkel gelichtet, der Konzern konzentriert sich nun auf zehn Hauptmarken und setzt vor allem seinen Werbeetat damit effizienter ein. Auch der Konkurrent Procter & Gamble geht diesen Weg, der US-Riese könnte sich binnen zwei Jahren von der Hälfte seiner Marken trennen, hatte P&G jüngst angekündigt. Rorsted sagte, wenn ein interessantes Geschäft auf den Markt komme, werde sich Henkel dies ansehen. Der Konzern sitzt trotz diverser Zukäufe nach wie vor auf gut gefüllten Kassen. Henkel verfüge bei bedarf über einen Finanzierungsspielraum von 4 bis 5 Milliarden Euro, sagte Finanzvorstand Carsten Knobel.

Seine Jahresziele bekräftigte Rorsted trotz der Krisen in Osteuropa und Nahost. Henkel rechne 2014 weiter mit einem Umsatzwachstum aus eigener Kraft von 3 bis 5 Prozent. Die bereinigte Umsatzrendite soll auf etwa 15,5 Prozent steigen.

Von Matthias Inverardi

12.08.2014
12.08.2014