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14:59 07.03.2019
Facebook setzt auf Privatsphäre – eine Illusion?
Facebook setzt auf Privatsphäre – eine Illusion? Quelle: Lipinski/ dpa
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Hannover

„Privatsphäre gibt Menschen die Freiheit, sie selbst zu sein“ – so leitet Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Ankündigung ein, seine Plattform zu einer Art digitalem Wohnzimmer umzubauen. Es ist auch ein Schritt, der nachlassendes Interesse an dem sozialen Netzwerk ausgleichen soll – und am Kernproblem vorbeigeht.

Wer könnte Facebook eigentlich mögen? Unternehmen wie Cambridge Analytica, die dort massenhaft Daten abgesaugt haben? Hacker, die dank laxer Sicherheitsstandards Millionen Profile erbeuteten? Trolle und Rassisten, die die Fake-News-Epidemie anfachen? Oder Wladimir Putin, dessen Geheimdienst über die Plattform womöglich den US-Wahlkampf beeinflusst hat?

Eine Gruppe hat jedenfalls allen Grund zur Skepsis: Die Nutzer. Denn deren Vertrauen hat Facebook gründlich erschüttert. Weder können sie darauf bauen, dass ihnen zuverlässige Informationen in die Timeline gespült werden. Noch können sie einschätzen, was bei Facebook mit ihren Daten passiert.

Facebook will intimer werden

Vor dem Hintergrund ist es ein Hohn, dass Facebook nun in den intimsten Bereich des Lebens vordringen will: „Freunde und Familie“ sollen auf der Plattform zukünftig wie in „einem digitalen Wohnzimmer“ miteinander interagieren. „Privat“, wie Zuckerberg mehrfach betont.

Doch privat ist bei Facebook nichts. Zwar verspricht Zuckerberg bessere Verschlüsselung und selbstlöschende Nachrichten. Doch selbst wenn die Hacker ausgesperrt sind, und Cambridge Analytica nicht mehr an Daten herankommt - der Konzern selbst hört weiterhin mit. Er muss die Daten seiner Nutzer auswerten, um Werbung präzise auf deren Bedürfnisse zuschneiden zu können. So verdient Facebook schließlich sein Geld.

Das gelingt aber nur, wenn die Nutzer weiterhin fleißig auf Facebook unterwegs sind. Und darum war es zuletzt schlecht bestellt: Die Zeit, die jemand auf Facebook durchschnittlich verbrachte, nahm laut Studien ab. Und besonders junge Internetnutzer warfen reihenweise die App von ihren Smartphones. „Uninteressant“, lautete verschiedenen Erhebungen zufolge das Urteil über das soziale Netzwerk.

So ist Facebooks Ankündigung vor allem ein Schritt, Nutzer zu binden und zurückzugewinnen. Mit einem neuen Produkt, das Privatsphäre betont. Und in Wirklichkeit in das Wohnzimmer der Nutzer späht, um noch mehr Daten zu sammeln – deren Sicherheit Facebook bisher nicht garantieren konnte.

Von RND/Christoph Höland

Der Artikel "Lieber kein Wohnzimmer bei Facebook" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.