Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Koenigseggs Gebot für Saab stößt auf Skepsis
Mehr Welt Wirtschaft Koenigseggs Gebot für Saab stößt auf Skepsis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:21 13.06.2009
Christian Koenigsegg baut seit den neunziger Jahren Sportwagen. Jetzt will er ins Massengeschäft. Quelle: afp

„Ich glaube nicht, dass der neue Eigner die finanziellen Muskeln hat, um die Aufgabe zu schultern“, sagt der Branchenanalyst Matts Carlsson zu den Ambitionen des winzigen Autobauers aus dem südschwedischen Ängelholm.

Es ist wie bei Porsche und Volkswagen, nur in viel kleinerem Maßstab: Die Maus will den Elefanten schlucken. Wobei Saab in der Autobranche selbst nur ein Mäuslein ist, und Koenigsegg bestenfalls ein Floh. Vor 20 Jahren kroch Saab bei General Motors unter. Das ging schief. Jetzt soll ein Unternehmen Saab aus dem Morast retten, das 40 Angestellte hat und pro Jahr 15 bis 20 Luxusschlitten zum Stückpreis von einer Million Euro aufwärts herstellt.

Noch fehlt die Bestätigung für den Handel. „Spekulation“, sagt eine Saab-Sprecherin. Einen Entscheid erwartet man in der kommenden Woche vom US-Finanzministerium. Doch eine Absichtserklärung soll unterschrieben sein, und beim potenziellen Käufer sagt Aufsichtsrat Jesko von Koenigsegg, dass man vor dem Abschluss stehe. Die bisher so zögerliche Regierung in Stockholm hat ihre Finanzinstitutionen beauftragt, Überbrückungskredite bereitzustellen.

Nachdem Saab im Februar Gläubigerschutz beantragt hatte, gab es laut Konkursverwalter Guy Lofalk rund 20 Interessenten für die Konkursmasse. Es war ein Ausscheidungsrennen, bei dem die meisten rasch wieder absprangen, als sie einen Blick in Saabs Bücher getan hatten. Auch Fiat zog sich zurück, nachdem die Übernahme von Opel misslungen war. So blieben drei: zwei US-Investoren ohne Einsicht in die Autobranche und der heimische Winzling.

Der hat die Eker Group des norwegischen Industriedesigners und Multimillionärs Bård Eker im Rücken, der sich bei einer Kapitalerhöhung vor vier Jahren 49 Prozent an Koenigsegg sicherte. Eker flitzt gern mit riesigen Motorbooten durch die Fjorde und sagte vor ein paar Wochen, es wäre „ein Traum“, Saab zu übernehmen. Doch dieser Traum kostet “5 bis 10 Milliarden Kronen, ehe Saab wieder auf den Beinen ist“, schätzt Analyst Carlsson.

Das ist zumindest eine halbe Milliarde Euro und damit eine Summe, die auch für den norwegischen Krösus außer Reichweite ist. Dessen Holding setzte im Vorjahr etwa 100 Millionen Euro um. Koenigseggs Umsatz war ein Zehntel davon. 2008 verbuchte man in Ängelholm erstmals einen kleinen Überschuss. Jetzt will man einen Konzern sanieren, der in seinen 20 GM-Jahren 18-mal rote Zahlen schrieb.

„Kurzfristig ist das eine gute Lösung“, kommentiert „Svenska Dagbladet“. Weil die Alternative die Pleite schon in diesem Sommer wäre, wenn Saab das letzte Geld ausgegangen ist. Langfristig wäre ein großer Autokonzern vorzuziehen gewesen. Doch von den Großen hatte keiner Lust auf eine Marke, der zuletzt mehr Kunden wegliefen als allen anderen. „Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, schreibt Schwedens bekanntester Motorjournalist Robert Collin.

Am Saab-Standort in Trollhättan hingegen herrscht leiser Optimismus dank der „schwedischen Lösung“. Bis 2011 soll Saab, das im vergangenen Jahr 93 000 Autos baute, 130.000 Pkw herstellen und damit wieder rentabel werden, lautet der Rekonstruktionsplan. Vor allem ein neues Mittelklassemodell vom Typ 9-3 soll der Marke neues Leben einhauchen.

Doch das ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Saab schuldet der Mutter GM eine Milliarde Euro. In Detroit stellte man die Streichung dieser Schulden in Aussicht. Ob das im GM-Konkursverfahren noch gilt, ist offen. Für den Wiederaufbau benötigt der neue Eigner Kredite der Europäischen Investitionsbank. Die Regierung in Stockholm will für diese nur bei einem klaren Rettungskonzept bürgen.

von Hannes Gamillscheg

Die Deutsche Post reagiert mit Einsparungen auf den Rückgang des Briefversandes. An mehreren Montagen im Juli und August dieses Jahres sollen nach Angaben des Unternehmens Zustellbezirke zusammengelegt werden, sodass nur etwa die Hälfte der Briefträger unterwegs ist.

Dirk Stelzl 13.06.2009

Die Essener Staatsanwaltschaft hat aus formalen Gründen nun doch ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue-Verdachts gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff eröffnet.

12.06.2009

Die deutschen Stromnetze sollen schneller ausgebaut werden können. Der Bundesrat stimmte am Freitag einem Gesetz zu, mit dem die Planungs- und Genehmigungsverfahren für 24 wichtige Vorhaben beschleunigt werden können.

12.06.2009