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Wirtschaft Kleinaktionäre machen ihrer Wut Luft
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10:01 03.06.2009
Der Vorstandschef der Hypo Real Estate (HRE), Axel Wieandt, hat bei den Aktionären des Immobilienfinanzierers in München um Unterstützung für die geplante Übernahme durch den Bund geworben. Quelle: Jörg Koch/ddp
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„Ich wollte eigentlich nur zu Protokoll geben, dass ich erpresst werde“, sagte ein anderer Aktionär. Und Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger monierte: „Uns die Aktien zu rauben, ist unanständig.“

Von anderen Rednern wurden regelrechte Verschwörungsszenarien ausgebreitet. Staat, Bundesverfassungsgericht, HRE-Aufsichtsrat – sie alle steckten doch unter einer Decke, mutmaßte einer der Aktionäre. Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine außerordentliche Hauptversammlung des maroden Münchener Staats- und Immobilienfinanzierers. Der Zweck des Treffens war ja auch aus Aktionärssicht eine ziemliche Zumutung. Schließlich ging es darum, dass der Bund die restlichen Anteilseigner gegen eine Zwangsabfindung aus der HRE herausdrängt.

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Der Sprecher des staatlichen Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin), der frühere Nord/LB-Chef Hannes Rehm, versuchte das Vorgehen des Bundes zu erklären. Die HRE sei „systemrelevant“. Eine Insolvenz hätte noch gravierendere Konsequenzen als der Untergang des Bankhauses Lehman. Der Bund sei bereit, dies zu verhindern, wolle sich dabei aber nicht durch Einzelinteressen von Altaktionären behindern lassen. Dafür kassierte Rehm „Buh“- und „Aufhören“-Rufe.

Lang war die Liste derer, die ihren Unmut über die „Enteignung“ loswerden wollten. So wie ein Handwerksmeister im Ruhestand aus dem Raum Landshut, der resigniert berichtete: „Ein Großteil meiner Altersversorgung steckt in dieser Scheiß-Hypo drin.“ Er fühle sich „getäuscht und betrogen“. Er könne nicht verstehen, warum die Altaktionäre herausgedrängt werden. „Es ist eine Schande, wenn man enteignet wird.“

Die Mutter eines geistig behinderten Kindes berichtete mit den Tränen ringend, dass sie 160.000 Euro im Namen ihres Kindes in die HRE investiert habe, im irrigen Glauben, dass es sich um eine der besten Banken handelte. „Der SoFFin möchte uns noch 8000 Euro zurückgeben – na toll!“

HRE-Vorstandschef Axel Wieandt bemühte sich redlich, die aufgebrachten Aktionäre zu beruhigen. Ihm selbst wurden von den Aktionären nur wenige Vorwürfe gemacht. Die früheren Manager, die mit ihrer Geschäftspolitik die HRE ins Chaos geführt hatten, kamen da wesentlich schlechter weg. „Aufhängen!“ rief ein Aktionär laut in den Saal, als vom früheren Vorstand die Rede war.

von Ulrich Meyer