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Wirtschaft Kartellamt lässt Handelskonzerne und Hersteller durchsuchen
Mehr Welt Wirtschaft Kartellamt lässt Handelskonzerne und Hersteller durchsuchen
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13:19 14.01.2010
Rewe und Edeka bestätigten, dass bei ihnen Geschäftsräume durchsucht wurden.
Rewe und Edeka bestätigten, dass bei ihnen Geschäftsräume durchsucht wurden. Quelle: ap
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Wegen des Verdachts illegaler Preisabsprachen hat das Bundeskartellamt in einer großangelegten Razzia Geschäftsräume von 11 deutschen Einzelhandelsunternehmen und vier Markenartikelherstellern durchsuchen lassen. Betroffen waren auch die beiden größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka und Rewe. Es bestehe der Verdachts verbotener Preisabsprachen bei Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung, teilte die Wettbewerbsbehörde am Donnerstag mit.

Parallel wurden nach Angaben des Kartellamtes schriftliche Verfahren gegen weitere Handelsunternehmen eingeleitet. An der Durchsuchung beteiligten sich 56 Mitarbeiter des Bundeskartellamtes und 62 Polizeibeamte. Im Visier der Ermittler waren dabei neben einigen Markenartikelherstellern aus dem Konsumgüterbereich vor allem Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels, Drogeriewarenmärkte und Tierbedarfshändler.

Der Verdacht der Behörde: Die Markenartikelhersteller sollen sich mit den Händlern über die Gestaltung der Endverbraucherpreise abgestimmt haben. Dies wäre der Wettbewerbsbehörde zufolge ebenso verboten wie etwa Herstellerkartelle und könnte mit Geldbußen geahndet werden.

Millionenbußen für Kaffeeröster

Die Behörde kündigte an, sie werde bei der Verhängung von Geldbußen berücksichtigen, inwieweit Unternehmen oder Personen bei der Aufklärung der Vorwürfe mit dem Kartellamt zusammengearbeitet hätten. Sprecher von Edeka und Rewe bestätigten, dass auch bei ihnen Geschäftsräume durchsucht worden seien. Edeka-Sprecherin Marliese Kalthoff sagte:„Wir arbeiten in vollem Umfang mit dem Kartellamt zusammen.“ Rewe bestätigte lediglich die Durchsuchung, wollte den Vorgang aber nicht weiter kommentieren.

Das Bundeskartellamt hatte erst vor wenigen Wochen gegen die drei großen Kaffeeröster Tchibo, Melitta und Dallmayr sowie sechs Mitarbeiter wegen wettbewerbswidriger Preisabsprachen Geldbußen von zusammen 159,5 Millionen Euro verhängt. Nach Ermittlungen der Wettbewerbsbehörde hatten Geschäftsführer und Vertriebsleiter der Firmen seit mindestens Anfang 2000 einen Gesprächskreis unterhalten, in dem auch Preiserhöhungen bei Filterkaffee, Espresso und Kaffeepads abgesprochen wurden.

„Die Absprachen wirkten sich unmittelbar zu Lasten der Endverbraucher aus, da der Lebensmitteleinzelhandel die Preiserhöhungen in der Regel unmittelbar an die Endverbraucher weitergegeben hat“, erklärte das Kartellamt im Dezember.

ap