Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Karstadt-Poker zieht sich länger hin
Mehr Welt Wirtschaft Karstadt-Poker zieht sich länger hin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:09 08.08.2010
Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige

Um Mitternacht sollte demnach automatisch ein Vorratsbeschluss in Kraft treten, den der Karstadt-Gläubigerausschuss am vergangenen Donnerstag in Essen getroffen hatte. Dieser Beschluss versetzt den Insolvenzverwalter und das Essener Insolvenzgericht in die Lage, die Frist für den Kaufvertrag noch einmal zu verlängern.

Woran es hapert, sind die Mietbedingungen für Berggruen. Der deutsch-amerikanische Investor verlangt vom Vermieterkonsortium Highstreet eine deutliche Mietminderung. Highstreet ist dazu grundsätzlich bereit, hat aber Dutzende Gläubiger, die alle ihr Einverständnis geben müssen. Dies kann dem Vernehmen nach noch dauern. Die nächste Etappe ist morgen vor dem Essener Insolvenzgericht. Dort muss der Insolvenzverwalter die Faktenlage schildern, und auf dieser Grundlage entscheidet das Gericht darüber, ob das Unternehmen weiteren Aufschub bekommt. Eine Übernahmeofferte des italienischen Warenhausbetreibers Maurizio Borletti hat der Gläubigerausschuss verworfen.

Anzeige

Die Gewerkschaft ver.di kritisierte die nervenzehrenden Verzögerungen. Es gehe um die Existenz von 25.000 Karstadt-Beschäftigten und 30.000 Mitarbeitern bei Lieferanten und anderen Dienstleistern, sagte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane der „Bild am Sonntag“. „Um dem Unternehmen eine dauerhafte Perspektive zu sichern, sind alle Beteiligten dazu verpflichtet, jetzt zügig und konstruktiv die letzten Hindernisse aus dem Weg zu räumen.“

„Markt nicht groß genug für zwei“: Metro-Chef Eckhard Cordes macht sich weiterhin Hoffnungen auf Karstadt. Er will Karstadt mit Metros Warenhauskette Kaufhof zusammenlegen. Für zwei Ketten sei der deutsche Markt zu klein, sagte Cordes der „Welt am Sonntag“. „Irgendwann wird es zu einem Zusammenschluss kommen – wann und unter welchen Umständen auch immer.“ Sinnvoll wäre sogar ein europäischer Zusammenschluss. „Eine solche wie auch immer geartete europäische Warenhausallianz hätte viel Charme.“ Cordes wandte sich gegen die Auffassung, das Konzept Kaufhaus sei überholt. „Es gibt riesige Renditeunterschiede zwischen den Häusern derselben Ketten in Deutschland. Und zumeist sind diese Unterschiede wesentlich vom Standort geprägt. Wenn man sich auf die guten Plätze konzentriert, kann man auch mit Warenhäusern in Deutschland gutes Geld verdienen.“

dpa

Mehr zum Thema

An diesem Wochenende blickt wieder alles auf Karstadt. Bis Sonntag um 24 Uhr muss der Kaufvertrag unterschrieben sein. So wie es aussieht, klappt das aber nicht. Wahrscheinlich wird die Frist verlängert.

07.08.2010

Der neue Karstadt-Interessent Maurizio Borletti will die Bedingungen für den Kauf der insolventen Warenhauskette nicht nachverhandeln. Er fordere keine weiteren Nachlässe der Gläubiger des Konzerns.

03.08.2010

Der wochenlange Streit zwischen Karstadt-Investor Nicolas Berggruen und dem Filial-Vermieter Highstreet ist beigelegt: „Wir haben den Weg zu einer Einigung frei gemacht“, sagte Alexander Dibelius, Europachef der US-Investment-Bank Goldman Sachs, die 51 Prozent am Vermieter-Konsortium hält.

25.07.2010