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Wirtschaft Karmann entlässt rund die Hälfte seiner Mitarbeiter
Mehr Welt Wirtschaft Karmann entlässt rund die Hälfte seiner Mitarbeiter
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21:56 16.10.2009
Die Lage beim insolventen Osnabrücker Autobauer Karmann hat sich weiter verschlechtert.
Die Lage beim insolventen Osnabrücker Autobauer Karmann hat sich weiter verschlechtert. Quelle: ddp
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Das sagte am Freitag der Sprecher des Insolvenzverwalters Ottmar Hermann. Man habe „keine andere Wahl“. Betriebsrat und IG Metall reagierten entsetzt auf die Ankündigung.

Wie der NDR berichtete, sollen noch im Oktober 700 Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ war von 800 Beschäftigten die Rede. Der Sprecher des Insolvenzverwalters, Pietro Nuvoloni, wollte sich nicht auf konkrete Zahlen festlegen. Die Zahl der Kündigungen werde sich aber in der berichteten Größenordnung bewegen, sagte er.

Karmann hatte am 8. April die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Zuvor war in einer ersten Entlassungswelle 1700 Mitarbeitern gekündigt worden. Sie wechselten zum Teil in eine Transfergesellschaft. Weitere 300 Beschäftigte mussten gehen, nachdem der Insolvenzverwalter die Geschäfte übernommen hatte. Nach der nun bevorstehenden Kündigungswelle wartet auf die Betroffenen nun offenbar unmittelbar die Arbeitslosigkeit. Für ihre Überweisung in eine Transfergesellschaft fehlt Karmann ebenso das Geld wie für die Zahlung von Abfindungen.

In den vergangenen Wochen hatte sich die Lage bei dem Autobauer weiter verschlechtert. Auf einer Gläubigerversammlung am Donnerstag war bekanntgeworden, dass das Traditionsunternehmen Gläubigern Beträge im dreistelligen Millionenbereich schuldet. Außerdem mangelt es an Aufträgen insbesondere für die Sparten Metal Unit und Technische Entwicklung. Lediglich für den Bereich Dachssysteme liegen noch Anfragen vor. Für diese Sparte interessieren sich offenbar die deutsche Magna-Tochter CTS und der spanische Autozulieferer CIE Automotive.

Schließlich wartet Karmann noch auf Geld von Kunden. Dass „große Automobilkonzerne“ Forderungen nicht beglichen, treibe ihm „die Zornesröte ins Gesicht“, sagte Betriebsratschef Gerhard Schrader. Gleichzeitig kündigte er an, dass der Betriebsrat gemeinsam mit der IG Metall darum kämpfen werde, dass es zumindest zu weniger Entlassungen komme als vom Insolvenzverwalter angekündigt.

Beim Traditionsunternehmen Karmann wurden seit 1949 mehr als 3,3 Millionen Fahrzeuge gefertigt. Gebaut wurden vor allem Cabrios für Mercedes-Benz, Volkswagen, Audi und Ford. Beobachter schließen nicht aus, dass das Traditionsunternehmen zum Jahresende endgültig sein Stammwerk in Osnabrück schließt. Bereits fest steht, dass der Autobauer sein Werk im westfälischen Rheine am 31. Dezember aufgibt.

ddp