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Wirtschaft Kampf um Porsche geht in entscheidende Runde
Mehr Welt Wirtschaft Kampf um Porsche geht in entscheidende Runde
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14:44 15.07.2009
Quelle: Sebastian Willnow/ddp
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Am 23. Juli werden in Stuttgart sowohl der Porsche- als auch der VW-Aufsichtsrat zu außerordentlichen Sitzungen zusammenkommen, wie ein VW-Sprecher am Mittwoch sagte. Bereits an diesem Donnerstag treffen sich die Beteiligten beim hundertjährigen Jubiläum der Marke Audi in Ingolstadt.

Der Porsche-Aufsichtsrat werde auf seiner außerordentlichen Sitzung am 23. Juli lediglich über das Angebot des Wüstenstaats Katar abstimmen, berichtete Bild.de unter Berufung auf Konzernkreise. Katar bietet Medienberichten zufolge sieben Milliarden Euro für eine Minderheitsbeteiligung an Porsche sowie weitere Aktienoptionen am Volkswagenkonzern. Das Konzept von Volkswagen, sich mit 49,9 Prozent an Porsche zu beteiligen, steht dem Bericht zufolge vorläufig nicht mehr zur Entscheidung.

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Damit würde Porsche seine Mehrheitsbeteiligung an VW behalten. Katar würde in einer ähnlichen Größenordnung wie das Land Niedersachsen mit 20 Prozent in Wolfsburg vertreten sein. Dagegen sprach sich der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) aus: „Das wird nicht klappen“, sagte Wulff „sueddeutsche.de“. Er kenne keine Tiere, bei denen „der Schwanz mit dem Hund wedelt“. Wulff favorisiert wie VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch den Kauf von 49 Prozent der Porscheaktien durch VW und damit langfristig die Integration von Porsche als zehnte Marke in den Wolfsburger Konzern.

Die Fronten zwischen Porschechef Wendelin Wiedeking und dem Betriebsratsvorsitzenden Uwe Hück einerseits und Niedersachsen andererseits bleiben unterdessen extrem verhärtet. Hück warf Wulff vor, er habe seit Monaten Banken massiv gedrängt, Porsche keine Kredite zu geben: „Wulff hat das sogar gegenüber einem Mitglied unserer Eigentümerfamilien erklärt. Dafür gibt es Zeugen“, sagte Hück „Focus Online“.

Ein Sprecher von Wulf wies die Vorwürfe zurück. Der Ministerpräsident habe sich ganz im Gegenteil erfolgreich für weitere Kredite für Porsche eingesetzt, sagte er. Der Sprecher macht klar, dass das Land am Ziel einer Integration von Porsche festhält: „Alle Beschäftigten von Volkswagen und Porsche würden von einem integrierten Konzern profitieren.“ Der Betriebsratsvorsitzende Hück allerdings „würde seine Allmacht verlieren“. Die Entmachtung von Porsche-Chef Wiedeking sei nur noch „eine Frage von Stunden“.

Hück kündigte an, die Belegschaft werde „bis zum Äußerten“ für die Eigenständigkeit von Porsche kämpfen. Auf einer Betriebsversammlung in Weissach bei Stuttgart forderte er die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch nachdrücklich auf, frühere Versprechen einzuhalten und durch Beteiligung an einer Kapitalerhöhung die „Eigenständigkeit und Unabhängigkeit des Unternehmens zu garantieren“.

Porsche sitzt nach dem Erwerb der Mehrheit an VW auch wegen weiterer Optionen über 24 Prozent auf mindestens neun Milliarden Euro Schulden. Die Banken drängen auf eine schnelle Lösung. Im März hat der VW-Konzern bereits einmal mit einem Kredit über 700 Millionen Euro ausgeholfen, um eine Finanzklemme von Porsche zu verhindern.

afp