Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft „Kakao-Monopoly“ trifft Schokobranche
Mehr Welt Wirtschaft „Kakao-Monopoly“ trifft Schokobranche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:08 23.12.2009
Von Helmuth Klausing
Schokolade könnte bald teurer werden. Schuld ist der starke Kakaopreis-Anstieg. Quelle: ddp (Archivbild)
Anzeige

Dennoch zeigt sich das Jahresende für sie nicht von seiner Schokoladenseite: Die Preise für Kakao sind auf den höchsten Stand seit 30 Jahren geklettert – obwohl die Ernte besser als im Vorjahr ausgefallen und die Nachfrage stabil geblieben ist. Viele in der mittelständisch geprägten Branche sehen die Lage düster. „Es wird 2010 Preiserhöhungen geben und Konkurse“, sagt Branchenkenner Otto Lithardt, Chef des vor allem durch seine Schokoküsse bekannten Herstellers Grabower Süßwaren.

Im Branchenjargon müsste man die Stimmung bei den Herstellern wohl „zartbitter“ nennen, denn sie können nur machtlos mit ansehen, was an den Rohstoffbörsen geschieht. Vor allem Spekulationen macht der Branchenverband BDSI für den Preissprung verantwortlich: „Spekulanten, Banken und Fonds glauben, auf den Rohstoffmärkten deutlich höhere Gewinne erzielen zu können als mit anderen Investments.“ Auch deutsche Banken nähmen „am Spekulationskarussell“ teil und versprächen ihren Anlegern höhere Renditen auf den Rohstoffmärkten.

Anzeige

Zudem kauften die Spekulanten auch kräftig Kakao auf, um das Angebot künstlich zu verknappen und von den dann noch einmal steigenden Preisen beim schrittweisen Verkauf der eingelagerten Kakaobohnen zusätzlich zu profitieren, heißt es. Schon machen in der Branche Befürchtungen die Runde, dass bereits 40 Prozent der Weltproduktion auf diese Weise aus dem Markt genommen worden seien, und dass Hedgefonds und Banken auch ohne Mühe den gesamten Markt von rund drei Millionen Tonnen leerkaufen könnten. Beim BDSI spricht man sogar schon vom „Kakao-Monopoly“.

Ob es tatsächlich so schlimm kommt, weiß derzeit niemand. Doch Schokoladehersteller werden angesichts immer höherer Kakao-Notierungen nervös. Zuletzt mussten um die 2350 britische Pfund (etwa 2700 Euro) je Tonne gezahlt werden, aber allein in den vergangenen zwei Wochen kletterte der Kakaopreis schon um mehr als 20 Prozent. „Unter 2000 Pfund wird er wohl auch nicht mehr fallen“, schätzt Olaf Büttner, Vertriebsgeschäftsführer beim Hersteller Rausch Schokoladen in Peine. Keine guten Aussichten. Drohen nun Preiserhöhungen? Beim Branchenriesen Kraft Foods in Bremen war vor Weihnachten keine Auskunft mehr zur künftigen Preisgestaltung bei Schokolademarken wie Milka, Toblerone, Marabou, Daim und Côte d’Or zu bekommen.

Die Großen, heißt es aber in der Branche, hätten mehr Möglichkeiten, ihre Interessen durchzusetzen. Für Mittelständler, zumal solche, die auch Handelsmarken für die Supermärkte produzieren, sei es schon schwieriger, höhere Verkaufspreise zu erzielen.

Deutschlands älteste Schokoladenfabrik Halloren hatte in diesem Jahr mühsam eine Preiserhöhung ihrer Produkte durchsetzen können – ungünstigerweise gerade vor dem Kakaopreissprung. Jetzt schon wieder vom Handel höhere Preise für Schokolade zu fordern, sei „definitiv“ nicht geplant, sagt ein Unternehmenssprecher in Halle.

Seit 1804 stellt der Betrieb in wechselnder Eigentümerschaft in der Saalestadt die süße Köstlichkeit her. Preisschwankungen beim Rohstoff Kakao hat es in dieser Zeit immer gegeben. Halloren trifft dies aber nur indirekt. Die Fabrik kauft wie viele andere selbst keinen Kakao ein, sondern lässt bei großen Herstellern wie Callebaut Schokolade nach eigenem Rezept herstellen und sich mit der flüssigen, auf mindestens 45 Grad erhitzten Masse beliefern. So sind täglich Dutzende Tanklastzüge voll mit heißer Schokolade auf unseren Straßen unterwegs.

Allein Halloren braucht täglich etwa sechs bis sieben Tonnen Schokolade, rund 1300 Tonnen im Jahr. Die Verträge mit den Lieferanten würden auf längere Sicht abgeschlossen, so sichere man sich gegen kurzfristige Preisschwankungen ab. „Ein halbes bis ein Jahr lässt sich da schon abfedern“, sagt der Unternehmenssprecher. Auch Lithardt verfährt so mit der Schokolade für seine „Grabower Küsse“. Bis weit ins nächste Jahr könne er deshalb trotz hoher Kakaopreise mit stabilen Kosten beim Schokoladeneinkauf kalkulieren, sagt der gebürtige Hamelner. „Aber im Herbst trifft es uns dann wohl auch.“

Seine Versuche, vermehrt weiße Schokolade oder eine Palmkernfettglasur mit geringerem Kakaogehalt einzusetzen – „das ist sogar gesünder“ –, bleiben nur wenigen Produkten vorbehalten. Denn eines weiß Lithardt aus langjähriger Erfahrung genau: „Die Deutschen wollen nun mal Schokolade.“ Und das nicht nur zur „Weihnaschzeit“.