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Wirtschaft KWS und BASF tüfteln an neuer Genrübe
Mehr Welt Wirtschaft KWS und BASF tüfteln an neuer Genrübe
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19:40 20.01.2010
KWS-Labor in Einbeck: Ein Gen wird mithilfe eines Bakteriums in eine Pflanze übertragen. Quelle: dpa
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Die neue Genrübe sollen den Landwirten einen „zusätzlichen Ertragsschub“ bringen, wie ein KWS-Sprecher am Mittwoch sagte. Für das Projekt haben die BASF-Tochter BASF Plant Science und der Einbecker Konzern eine Kooperation vereinbart. An ein Gemeinschaftsunternehmen sei vorerst nicht gedacht, hieß es.

In der Kooperation bündeln beide Unternehmen ihre Kompetenz in Züchtung und Biotechnologie. Der BASF-Konzern, der in den vergangenen Jahren eine Milliarde Euro in die grüne Gentechnik investiert hat, steuert aus seinem reichhaltigen Repertoire Ertragsgene sowie Know-how in der Pflanzenbiotechnologie bei und KWS mit seinen Erfahrungen in der Zuckerrübenzüchtung transformiert diese Gene in seine „besten Sorten“, wie der Konzernsprecher erklärte. Mit der Kooperation weitet BASF seine Gentechnik-Aktivitäten erstmals „auf die Zuckerrübenindustrie“ aus.

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Mithilfe der Gentechnik sollen die neuen Rübensorten resistent gegen Trockenheit gemacht werden – und zugleich einen Mehrertrag von 15 Prozent gegenüber herkömmlichen Rübenpflanzen erzielen. Der Produktivitätsfortschritt der mit konventionellen Methoden gezüchteten Sorten erreicht nach Angaben von KWS ein bis 2 Prozent pro Jahr. Die Entwicklung der neuen Genrüben dauere etwa zehn Jahre. 2020 sollen sie marktreif sein.

Spitzenerträge von 20 Tonnen Zucker je Hektar und mehr werden dann laut KWS „keine Seltenheit mehr sein“. Gute landwirtschaftliche Betriebe schaffen heute 15 Tonnen Zucker je Hektar, wie der Sprecher sagte. Das hänge allerdings auch von der Bodenqualität einer Region und den Witterungsbedingungen ab.

Der Einbecker Konzern, weltweiter Marktführer bei Zuckerrüben-Saatgut, hat seit ein paar Jahren bereits eine Genrübe im Angebot, die „Round-Ready“-Zuckerrübe. Dafür wurden Gene vom US-Gentechnikkonzern Monsanto verwendet, für die KWS Lizenzgebühren zahlt. Die Rübe mit Herbizid-Toleranz wird nur in den USA verkauft und ist geschäftlich ein Renner. Im Geschäftsjahr 2008/09 (30. 6.) bescherte sie KWS ein hohes Umsatzwachstum, in Amerika wuchsen die Erlöse um 80 Prozent. Dort hat KWS nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 70 Prozent. Insgesamt beträgt der Anteil gentechnisch veränderten Saatguts am KWS-Umsatz von zuletzt 717 Millionen Euro etwa 27 Prozent – Tendenz steigend, wie es hieß.

Mithilfe der angestrebten Ertragssteigerungen durch die Gentechnik verbessere sich die Wettbewerbsfähigkeit der Zuckerrübe gegenüber anderen Ackerfrüchten, aber auch gegenüber dem Zuckerrohr, sagte der KWS-Sprecher. Den Landwirten verschaffe dies Kosteneinsparungen. Dennoch bleibt der EU-Markt der Genrübe wegen schärferer Gesetzesvorschriften verschlossen. Ob KWS die nächste Generation in Europa absetzen kann, hängt davon ab, ob die EU bis dahin ihre Rahmenbedingungen für die grüne Gentechnik ändert.

Von Carola Böse-Fischer