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Wirtschaft Inflation von 4,1 Prozent: DIW-Präsident Fratzscher kritisiert „Panikmacherei“
Mehr Welt Wirtschaft Inflation von 4,1 Prozent: DIW-Präsident Fratzscher kritisiert „Panikmacherei“
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16:48 04.10.2021
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Berlin

Nach der auf 4,1 Prozent taxierten Inflationsrate in Deutschland im September warnt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, vor „Panikmacherei“. Auf Twitter kritisiert er die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung als „Alarmismus“, den er „falsch, manipulativ und schädlich“ nennt. Ein Artikel der Zeitung war mit „Mega-Inflation von 4,1 Prozent frisst unser Geld auf“ überschrieben.

Der DIW-Präsident schreibt, die Preise seien im September nicht auf ein Rekordhoch gestiegen. Vielmehr seien sie im Vergleich zum Juli und August gleich geblieben. Er stellt klar, dass sich der Anstieg der Inflationsrate auf den September des Vorjahres beziehe. „4,1 Prozent Inflation bedeutet hier, dass die Preise im Sept. 2021 um 4,1 Prozent höher lagen als im Sept. 2020″, schreibt er. Der „Anstieg“ sei ausschließlich darauf zurückzuführen, dass Preise im Sommer 2020 stark gefallen seien. Als Gründe führt er etwa die temporäre Mehrwertsteuersenkung und niedrigere Energiepreise im Jahr 2020 an.

Zudem verweist er auf die sogenannte Kerninflation, die nach Ansicht von Fratzscher besser geeignet sei, um den Inflationsdruck zu messen. Hier fallen Komponenten wie Nahrung und Energiepreise aus der Rechnung heraus. Die Kerninflation liegt laut Fratzscher gegenüber dem Vorjahr bei 1,9 Prozent.

Die höhere Inflation im Jahr 2021 bezeichnet er als „willkommene Normalisierung einer zu schwachen Preisentwicklung im Corona-Jahr 2020″. Weiter heißt es: „Über beide Jahre gerechnet liegt die Inflation in Deutschland und in Europa durchschnittlich bei unter 2 Prozent“.

Der DIW-Präsident räumt ein, insbesondere bei kleinen Sparern und Sparerinnen ein Problem für die negativen realen Zinsen zu sehen. „Ein Problem für viele kleine Sparerinnen und Sparer sind die negativen realen Zinsen, das heißt bei Nullzinsen auf dem Sparkonto und einer Inflation von 3 Prozent schrumpft die Kaufkraft. Aber: Dies war so häufig/zu mehr als einem Drittel auch in D-Mark Zeiten seit den 1960er-Jahren.“

Fratzscher sieht Problem bei Verteilungseffekten

Das „wirkliche“ Problem bei der Inflation liege für ihn jedoch bei den Verteilungseffekten. Insbesondere bei steigenden Wohnkosten und Energiepreisen für einkommensschwache Menschen. „Ein Drittel oder mehr zahlen ein Drittel des monatlichen Nettoeinkommens fürs Wohnen, Tendenz steigend“, schreibt er. Die steigenden Mieten seien jedoch schon seit Jahren ein Problem und trügen zur erhöhten Inflation kaum bei.

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Für die höheren Energiekosten macht er die Einführung des CO₂-Preises verantwortlich. Gleichwohl seien diese willkommen und notwendig. Weiter steigende Energiepreise für fossile Quellen seien wahrscheinlich, „und auch ein wichtiges und richtiges Instrument des Klimaschutzes“. „Wir können nicht Klimaschutz wollen und gleichzeitig höhere Preise für schädliche Energiequellen ablehnen. Erneuerbare Energien sind effizienter und günstiger, und somit gut für Preisstabilität langfristig.“

Fratzscher prognostiziert einen deutlichen Rückgang der Inflationsrate in den beiden kommenden Jahren. „Die Inflation wird 2022 wohl wieder unter 2 Prozent (Definition von Preisstabilität) sinken, und auch 2023 wohl fallen. Prognosen sind immer mit Unsicherheit behaftet, aber: Eine zu schwache Inflation ist deutlich wahrscheinlicher als eine zu hohe Inflation.“

Die Inflation in Deutschland hat im September erstmals seit knapp 28 Jahren wieder die 4-Prozent-Marke überschritten. Das Statistische Bundesamt teilte vergangene Woche mit, die Verbraucherpreise lägen um 4,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Eine Vier vor dem Komma bei der Teuerungsrate hatte die Wiesbadener Behörde zuletzt im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent ermittelt.

RND/cz/dpa

Der Artikel "Inflation von 4,1 Prozent: DIW-Präsident Fratzscher kritisiert „Panikmacherei“ " stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.