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Wirtschaft In deutschen Atommeilern drohen Bewacher-Streiks
Mehr Welt Wirtschaft In deutschen Atommeilern drohen Bewacher-Streiks
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06:15 12.05.2012
Von Jens Heitmann
Die Sicherheitskräfte in deutschen Atommeilern wie hier im AKW Brokdorf fordern einen Sozialtarifvertrag. Quelle: dpa
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Hannover

Ziel sei es, die Folgen des Atomausstiegs für die bis zu 2000 Mitarbeiter an den 17 Standorten abzumildern, sagte Verhandlungsführerin Ute Gottschaar am Dienstag der HAZ: „Wenn die Arbeitgeber sich weiter stur stellen, sind wir gezwungen, zu ganztägigen Warnstreiks aufzurufen.“ Damit drohen Stillstände in den bestreikten Anlagen.

Schon Ende April haben die Gewerkschafter versucht, mit Kundgebungen an den Standorten der bayerischen Kernkraftwerke Gundremmingen bei Günzburg und Grafenrheinfeld bei Schweinfurt Druck auf den Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) auszuüben. Zum Schichtwechsel versammelten sich die Mitarbeiter von Sicherheit und Werksfeuerwehr in Grafenrheinfeld zu einer einstündigen Infoveranstaltung im Besucherraum.

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Die Gewerkschaft fordert zum einen, dass Mitarbeiter vom 55. Lebensjahr an in Altersteilzeit gehen können. Darüber hinaus sollen für jüngere Beschäftigte Arbeitszeitkonten eingeführt werden, die sich an der Restlaufzeit der Atomkraftwerke orientieren. Als Abfindungen verlangt ver.di pro Beschäftigungsjahr 75 Prozent des Bruttogehalts – das könne auf bis zu 30.000 Euro je Mitarbeiter hinauslaufen, hieß es. Die Bewacher der Atomanlagen gehören zu den mit am besten bezahlten Kräften der Branche.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft lehnt die Forderungen ab. Diese seien überzogen, sagte Hauptgeschäftsführer Harald Olschok: „Selbst die Energieversorger haben nach uns vorliegenden Erkenntnissen keine Sozialtarifverträge für ihre Beschäftigten abgeschlossen.“

Atomkraftwerksbetreiber wie e.on und RWE bewachen ihre Anlagen nicht selbst, sondern haben diese Aufgabe externen Dienstleistern übertragen. Diese seien wirtschaftlich nicht in der Lage, die Forderungen der Gewerkschaft zu erfüllen, hieß es bei ihrem Verband. Wegen des Atomausstiegs in Deutschland bangen auch viele andere Mitarbeiter in den Kernkraftwerken um ihren Job. Die Gewerkschaften fordern bereits verbindliche Alternativen für die mittelfristig von Entlassung bedrohten AKW-Beschäftigen.

Bei ver.di heißt es, die Stilllegung von Atomkraftwerken dürfe nicht auf dem Rücken der Beschäftigten vorgenommen werden. Allein für insgesamt rund 2000 Bedienstete in den drei niedersächsischen Meilern Unterweser, Emsland und Grohnde müssten frühzeitig qualifizierte Ersatzarbeitsplätze geschaffen werden.

09.05.2012
Albrecht Scheuermann 08.05.2012