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Wirtschaft Deutschland soll digitaler denken
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00:23 24.10.2014
Angela Merkel spricht am 21.10.2014 in Hamburg in der Handelskammer beim nationalen IT-Gipfel. Quelle: dpa
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Hamburg

Das Wirtschaftsministerium will 50 Millionen Euro in das Projekt „Smart Service Welt“ stecken. Gleichzeitig soll mit großem Aufwand die deutsche Wirtschaft auf die Herausforderungen durch die Digitalisierung der klassischen Industrie vorbereitet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach auf dem Treffen, die Finanzierungsbedingungen für Start-ups zu verbessern. Gleichzeitig forderte sie die Wirtschaft auf, selbst ein Wagnis einzugehen. Es könne sein, dass staatliche Anreize nicht ausreichten, um das herzustellen, was man beispielsweise in den USA sehen könne. „Auch im Silicon Valley geht es ohne Risiko nicht“, sagte Merkel über die Hochburg der Internetszene in den USA.

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Gabriel kündigte an, die Bundesregierung wolle ein neues Börsensegment für die Finanzierung von Start-ups einrichten. Bei der „Börse 2.0“ müssten allerdings die Lehren aus dem Zusammenbruch des „Neuen Marktes“ berücksichtigt werden. Es gebe bereits Gespräche mit der Deutschen Börse. Einen konkreten Zeitplan für die Einrichtung eines neuen Finanzmarktplatzes für Start-ups konnte Gabriel allerdings nicht nennen.

Mit ihrem Maßnahmenpaket reagiert die Bundesregierung unter anderem auf den Erfolg von weltweiten digitalen Vorreitern wie Amazon und Google, die vor allem mit leicht bedienbaren Diensten bei ihren Kunden punkten. „Insbesondere die traditionell starken Industriezweige wie Maschinenbau, Elektrotechnik und Automobilbau sollen stärker in diesen Dialog einbezogen werden“, sagte Gabriel. Im Bereich intelligente Dienstleistungen lägen große Wachstumspotenziale.

Bis zum Jahr 2017 werde die Bundesregierung insgesamt fast eine halbe Milliarde Euro an Fördermitteln für die Digitalwirtschaft bereitstellen. Von dem Geld sollen auch fünf Kompetenzzentren für den Mittelstand finanziert werden, die Wissen über die Chancen und Herausforderungen der „Industrie 4.0“ – also der vernetzten Produktion – vermitteln sollen. „Wenn 70 Prozent des Mittelstands bei einer Umfrage sagen, IT betrifft sie nicht vorrangig, ist das besorgniserregend“, betonte Gabriel. Der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, sagte: „Die erste Halbzeit der Digitalisierung haben wir in Europa verloren.“ Auch er setzte sich für verstärkte Anstrengungen ein, um „Industrie 4.0“ überhaupt möglich zu machen.

Ein zentrales Element für die Entwicklung neuer Internetdienste in Europa seien eine neue EU-Datenschutzverordnung und Netzneutralität, also der gleich schnelle Internetzugang für alle, betonten sowohl Kanzlerin als auch Vizekanzler. Gabriel kündigte an, die Entwicklung von Datenspezialdiensten zu beobachten, die etwa für das automatisierte Fahren große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit übermitteln müssten. Die Regierung beobachte diese Entwicklung, um dann „gegebenenfalls in einer Ex-post-Regulierung“ – also im Nachhinein – eingreifen zu können.

von Christoph Dernbach

21.10.2014
21.10.2014
21.10.2014