Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft IG Metall schafft ein kleines Plus
Mehr Welt Wirtschaft IG Metall schafft ein kleines Plus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:35 20.01.2015
Von Lars Ruzic
Hartmut Meine von der IG Metall spricht vor dem Auftakt der Tarifverhandlungen der Metallindustrie in Hannover.
Hartmut Meine von der IG Metall spricht vor dem Auftakt der Tarifverhandlungen der Metallindustrie in Hannover. Quelle: Julian Stratenschulte
Anzeige
Frankfurt/Hannover

Das vierte Jahr in Folge ist Deutschlands größte und mächtigste Gewerkschaft gewachsen - unterm Strich allerdings um gerade 0,15 Prozent oder 3400 Mitglieder auf nunmehr 2,27 Millionen. 403.000 davon sind weiblich, gut 230.000 unter 27 Jahre alt. „Damit sind wir die größte politische Jugendorganisation in Deutschland“, sagt Wetzel. Doch regional entwickeln sich die Mitgliederzahlen sehr unterschiedlich.

In der Südhälfte Niedersachsens etwa legte die Gewerkschaft im vergangenen Jahr deutlich stärker zu als im Bundesschnitt. Unterm Strich blieb ein Plus von 0,8 Prozent auf fast 243 000 Mitglieder. Dabei profitiert die Gewerkschaft vom Jobmotor Volkswagen, wo der Organisationsgrad bis heute bei weit über 90 Prozent liegt. Die Verwaltungsstelle Wolfsburg ist mit mehr als 80 000 Mitgliedern die größte in Deutschland. Ganz anders sieht es etwa in Nordrhein-Westfalen aus, wo die teilweise Deindustrialisierung der vergangenen Jahrzehnte ihre Spuren hinterlässt: Immer mehr alte Mitglieder sterben - gleichzeitig arbeitet bei der verbliebenen Industrie an Rhein und Ruhr längst nicht mehr genug Nachwuchs, um diese Lücke zu füllen.

Bis heute bilden die Großbetriebe der Industriezweige Auto, Maschinenbau, Elektro und Metallverarbeitung die Machtzentrale der IG Metall. Bei VW, Bosch oder Siemens läuft ohne deren Betriebsräte wenig. Für die 3,7 Millionen Beschäftigten des größten deutschen Flächentarifsystems wird jetzt wieder verhandelt, der für März erwartete Abschluss hat Auswirkungen auf die Konjunktur des gesamten Euro-Raums.

Im Kampf gegen Niedrigzinsen oder gar Deflation sei die Europäische Zentralbank (EZB) an ihre Grenzen gestoßen, stellt der Tarifexperte und zweite Vorsitzende Jörg Hofmann trocken fest. Die Zinsschraube ist komplett aufgedreht, die Wirkung der von EZB-Präsident Mario Draghi forcierten Anleihekäufe fraglich. Eine Belebung der privaten Nachfrage durch deutlich höhere Löhne in der größten Branche Deutschlands wäre da sehr willkommen, hatten schon im Sommer Vertreter der EZB und der Bundesbank wissen lassen.

Doch neben 5,5 Prozent mehr Geld will die IG Metall auch mehr bezahlte Altersteilzeit und bezahlte Freistellungen für die persönliche Weiterbildung durchsetzen, die angesichts der schnellen Digitalisierung der Industrie dringend notwendig sei. Gerade am letzten Punkt droht die Tarifrunde 2015 zu eskalieren, denn die Arbeitgeber haben entschlossenen Widerstand angekündigt. Wer zu welchem Zweck auf ihre Kosten weitergebildet wird, wollen sie weiterhin allein entscheiden.

Die Bildungsteilzeit ist 20 Jahre nach Erreichen der 35-Stunden-Woche freilich nur der erste Teil einer über mehrere Tarifrunden angelegten Strategie der IG Metall zur Arbeitszeitverkürzung. Die Gewerkschaft will nach eigenem Bekunden für möglichst viele Gruppen Arbeitszeitverkürzungen mit möglichst hohem Lohnausgleich herausholen. Nach den Alten und den Weiterbildungswilligen kommen Mitarbeiter mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen als nächste Zielgruppen in den tariflichen Fokus. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall fragt sich angesichts des Fachkräftemangels längst, wer überhaupt noch die Arbeit machen soll.

Ökonomisch wäre die Gewerkschaft auf einen Arbeitskampf bestens eingerichtet. Seit Jahren waren keine größeren Streiks mehr zu finanzieren, und die immer zahlreicheren Mitglieder haben auch 2014 für einen erneuten Beitragsrekord von 516 Millionen Euro gesorgt. Die IG Metall hat zudem ein mehrere Milliarden Euro schweres Vermögen, das regelmäßig hübsche Erträge bringt. Über ihre Höhe schweigt Hauptkassierer Jürgen Kerner allerdings beharrlich.

Bleibt die Frage, welches Rentenmodell der 62 Jahre alte IG-Metall-Chef Wetzel für sich selbst vorgesehen hat. Im Oktober dieses Jahres steht auf dem Gewerkschaftstag in Frankfurt die Neuwahl des kompletten Vorstands für vier weitere Jahre an. Bei einem Wechsel an der Spitze hätte nach IG-Metall-Tradition der Vize Hofmann das erste Zugriffsrecht auf die Kandidatur. Er ist drei Jahre jünger als Wetzel, doch entschieden ist laut Gewerkschaft noch nichts.

Wirtschaft Tierfachmarkt-Kette feiert Jubiläum - Fressnapf bekommt immer mehr Online-Konkurrenz
19.01.2015
Wirtschaft Internet-Schneiderei - Maßhemd per Mausklick
19.01.2015