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Wirtschaft Von den Guten zu den Mächtigen
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08:54 24.06.2014
Von Jens Heitmann
Foto: Da waren die Fronten noch klar: Holger Krawinkel (Mitte) präsentiert zusammen mit Mieterbund-Chef Franz-Georg Rips (links) und dem damaligen vzbv-Vorstand Gerd Billen ein Plakat zu einer Stromkampagne.
Da waren die Fronten noch klar: Holger Krawinkel (Mitte) präsentiert zusammen mit Mieterbund-Chef Franz-Georg Rips (links) und dem damaligen vzbv-Vorstand Gerd Billen ein Plakat zu einer Stromkampagne. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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Hannover

Der 57-Jährige kümmert sich bisher als Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) darum, dass die Kunden von den Strom- und Gasanbietern nicht über den Tisch gezogen werden. Nichts anderes solle er auch künftig als Leiter einer neuen Stabsabteilung tun, heißt es in der Mitteilung der MVV. Das klingt zumindest ernst gemeint, denn hinter dem Kürzel verbirgt sich kein Karnevalsverein, sondern die Mannheimer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft.

Seitenwechsel zwischen Verbraucherschutz und Politik sind eher die Regel als die Ausnahme. So war etwa die früherere vzbv-Chefin Edda Müller zunächst Landesministerin in Schleswig-Holstein. Zuletzt wechselte ihr Nachfolger Gerd Billen als Staatssekretär ins Bundesjustizministerium und versucht nun von dort, die Kunden vor den Unbilden der Märkte zu bewahren. Mit der sogenannten freien Wirtschaft aber fremdeln Verbraucherschützer bisher - sie fühlen sich als Kritiker derselben wohler, die von ihnen geforderten Veränderungen sollen lieber die auf der anderen Seite umsetzen.

Krawinkel hat diese Hemmung nicht. Seine Karriereweg liest sich zwar wie für den Lebenslauf eines vzbv-Funktionärs geschrieben: Nach Geografie- und Politikstudium spezialisiert er sich erst auf Raumplanung, um als diplomierter Ingenieur später auch noch über das dänische Energieplanungssystem zu promovieren. Schon als Referent im Kieler Energieministerium und später als Vorstand der Energiestiftung Schleswig-Holstein aber beschränkt sich Krawinkel nicht darauf, die erwartbaren Positionen herunterzubeten. Dieser Haltung bleibt er auch als Verbraucherschützer treu.

Man darf ihm daher glauben, dass er den Wechsel in die Energiewirtschaft zum jetzigen Zeitpunkt in der Tat als „besonders spannende Herausforderung“ begreift, wie Krawinkel in der Mitteilung der MVV erklären lässt. Das Unternehmen beweise gewissen Mut, wenn es einen wie ihn mit der Aufgabe betraue, die unterschiedlichen Sichtweisen von Kunden, Unternehmen und Politik an einer Stelle zusammenzuführen.

Lars Ruzic 23.06.2014
23.06.2014