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Wirtschaft Hohe Hürde vor Ausgabe neuer Aktien
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08:31 28.07.2009
Von Stefan Winter
Für eine Kapitalerhöhung mit Vorzugsaktien fehlen Voraussetzungen. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Die Alternative wäre die Ausgabe von Vorzugsaktien ohne Stimmrecht, doch dem haben die Aktionäre erst im Frühjahr die Zustimmung verweigert. Weder der Konzern noch die Landesregierung wollten sich am Montag zu einer möglichen Kapitalerhöhung äußern. Die eigentliche Fusion mit Porsche soll zwar über einen Aktientausch laufen, Geld braucht VW aber für den vorgeschalteten Kauf des operativen Porsche-Geschäfts. Das soll dem Familienunternehmen Einnahmen zur Schuldentilgung bringen.

Der Kauf ist in mehreren Stufen über zwei Jahre geplant, der Gesamtwert wird zurzeit auf 8 bis 10 Milliarden Euro geschätzt. VW verfügte Ende des ersten Quartals über eine Nettoliquidität von gut 10 Milliarden Euro, aktuelle Zahlen gibt es am Donnerstag. Eine Kapitalerhöhung sei zumindest als Teil des Finanzierungspakets wohl nötig, sagte Nord/LB-Experte Frank Schwope, der auch Kredite und die Ausgabe von Anleihen erwartet. Der Konzern brauche Liquidität für andere Projekte und das Tagesgeschäft und könne die Kasse für den Porsche-Kauf nicht völlig leeren. Außerdem drohen die Ratingagenturen bei höherer Verschuldung mit einer Herabstufung der Bonität, was die Kreditaufnahme verteuert.

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Die Ausgabe neuer Stammaktien scheidet aber praktisch aus. Zum einen gelten sie nach wie vor als spekulativ überteuert, zum anderen wäre die Beteiligung der Familien Porsche und Piëch zu klären. Vor allem aber legt sich die Landesregierung quer. Würden nämlich neue Stammaktien ausgegeben, müsste auch das Land Niedersachsen einen Teil davon kaufen und dafür einen hohen dreistelligen Millionenbetrag ausgeben. Andernfalls würde die Landesbeteiligung unter die 20-Prozent-Marke fallen und Niedersachsen seine Vetomöglichkeiten bei VW verlieren.

Dieses Szenario vor Augen, hat die Landesregierung bereits vergangene Woche bei der Einigung zwischen VW und Porsche einen Pflock eingeschlagen: Die VW-Stammaktien dürften nicht „verwässert“ werden – also durch Ausgabe neuer Stammaktien deren Anteil an Unternehmenswert und Stimmrechten sinken. Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung soll das Problem dadurch umgangen werden, dass nicht neue Stamm-, sondern neue Vorzugsaktien verkauft werden. Sie bieten kein Stimmrecht, sind damit für die Großaktionäre weitgehend uninteressant und befinden sich deshalb vollständig in Streubesitz.

Für eine Kapitalerhöhung mit Vorzugsaktien fehlt allerdings eine entscheidende Voraussetzung: Die Hauptversammlung muss ein sogenanntes genehmigtes Kapital beschließen, mindestens 75 Prozent Zustimmung sind nötig. Ein entsprechender Antrag des Vorstands scheiterte im März aber denkbar knapp: 26,04 Prozent der anwesenden Vorzugsaktionäre stimmten dagegen. So bereitet man sich bei VW bereits auf eine neue Abstimmung auf einer außerordentlichen Hauptversammlung vor, die wegen des Porsche-Geschäfts wohl ohnehin nötig wird. Nord/LB-Experte Schwope zweifelt allerdings am Erfolg eines zweiten Anlaufs: Sonderlich attraktiv seien die Vorzugsaktien für die Anleger nicht.