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Wirtschaft Heimische Äpfel und Birnen werden knapper
Mehr Welt Wirtschaft Heimische Äpfel und Birnen werden knapper
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17:14 09.08.2012
Foto: Die heimische Apfelernte wird 2012 leicht schlechter ausfallen als im Vorjahr.
Die heimische Apfelernte wird 2012 leicht schlechter ausfallen als im Vorjahr. Quelle: dpa
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Hannover/Berlin

Die deutschen Landwirte könnten bei der schwierigen Ernte 2012 nach Einschätzung von Europas zweitgrößtem Agrarhändler Agravis noch die Kurve kriegen. Nach dem verregneten Auftakt im Juli fällt die Zwischenbilanz des Großvermarkters für Anfang August positiv aus. „Die Wintergerste ist in vielen Gebieten inzwischen so gut wie abgeerntet, mit guten bis sehr guten Erträgen und guten bis sehr guten Qualitäten“, sagte Getreidehandelschef Alfred Reisewitz der Deutschen Presse-Agentur. Bei Äpfeln und Birnen zeichnet sich dagegen laut Bauernverband eine schwächere Ernte ab.

Nach dem schleppenden Erntebeginn habe sich die Lage stabilisiert, berichtete Reisewitz. „Anders als im letzten Jahr gehen wir davon aus, dass sich die Erträge pro Hektar verbessert haben“, sagte er über die Ankäufe von Wintergerste. Bei Ölsaaten wie Raps beurteilt Agravis – nach dem Konkurrenten BayWa die Nummer zwei im europäischen und deutschen Großhandel mit landwirtschaftlichen Rohstoffen – die Situation als erfreulich: „Hier sind wir bis auf kleine Restflächen durch mit der Ernte, mit ebenfalls sehr guten Erträgen, Qualitäten und Ölgehalten.“ Bei Roggen gebe es Anzeichen eines stabilen Trends: „Der Industrie wird ausreichend Brotroggen zur Verfügung stehen.“

Daneben müsse die Branche das Auf und Ab an den Weltmärkten im Auge behalten, betonte der Großhändler. Weil in der „Kornkammer Nordamerikas“ im Mittleren Westen der USA sowie in Moldawien, der Ukraine, Russland und Kasachstan Rekordeinbußen wegen enormer Trockenheit befürchtet werden, dürften Preise steigen. Verbraucher müssten sich vorerst zwar keine Sorgen um hohe Preisanstiege machen – denn der Anteil der Rohstoffkosten sei etwa bei Brot gering. Zunächst dürften nur geringe Aufschläge vom Agrar- auf den Lebensmittelsektor übergreifen. „Aber früher oder später müssen die Nahrungsmittelpreise die gestiegenen Rohstoffpreise reflektieren“, vermutete Reisewitz.

In die Supermärkte dürften in diesem Jahr weniger deutsche Äpfel und Birnen kommen. Die heimische Apfelernte wird voraussichtlich um zwei Prozent auf 933.000 Tonnen sinken, wie der Bauernverband mitteilte. Bei Birnen seien nur 38.000 Tonnen zu erwarten und damit sogar 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Hintergrund sei ungünstiges Wetter während der Blütezeit, als es verbreitet zu kalt und zu nass war. Auch für die EU zeichne sich eine deutlich schwächere Ernte ab.

Nahezu abgeschlossen ist inzwischen die Ernte von Frühkartoffeln. Nach dem starken Jahr 2011 fielen die bisherigen Erträge eher durchschnittlich aus, wie der Bauernverband mitteilte. Übergroße Kartoffeln, die sich schwer vermarkten lassen, gebe es diesmal nicht so viele. Die Anbauflächen für Kartoffeln schrumpften weiter.

dpa