Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Hapag-Lloyd erhält 330 Millionen Euro
Mehr Welt Wirtschaft Hapag-Lloyd erhält 330 Millionen Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:38 29.07.2009
Von Jens Heitmann
Die finanziell angeschlagene Containerreederei Hapag-Lloyd erhält kurzfristig eine Geldspritze. Quelle: Foto: Roland Magunia/ddp
Anzeige

Darüber hinaus werde Hapag-Lloyd ein Kredit über 15 Millionen Euro eingeräumt, teilten die Gesellschafter am Dienstag mit. Die Reederei solle die CTA-Beteiligung zurückerwerben, „sobald die wirtschaftliche Entwicklung dies zulässt“, hieß es.

Damit rechnen die Eigentümer auf mittlere Sicht jedoch nicht. Der Verkauf der Terminal-Anteile habe Hapag-Lloyd lediglich ein wenig Luft verschafft, „das gibt uns Zeit für eine langfristige Lösung“, verlautete aus Kreisen der Gesellschafter. Hapag-Lloyd wäre sonst in wenigen Wochen das Geld ausgegangen. Der Kapitalbedarf der Reederei wird intern auf 1,75 Milliarden Euro veranschlagt. In der Diskussion ist aktuell ein Rettungspaket von 750 Millionen Euro seitens der Gesellschafter, die ihrerseits auf Staatsbürgschaften hoffen, wie sie gestern mitteilten.

Anzeige

Allerdings ziehen die Gesellschafter nicht an einem Strang. Hapag-Lloyd gehört zu 57 Prozent dem Konsortium „Albert Ballin“, 43 Prozent der Anteile liegen noch bei der TUI, die mittelfristig aus der Containerschifffahrt aussteigen will. Aufseiten des Konsortiums beteiligen sich nur die Stadt Hamburg mit 76 Millionen Euro und die Signal Iduna Versicherung mit 23 Millionen Euro an der jetzt vereinbarten Kapitalspritze, der Transportunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Warburg-Bank und die Versicherung Hanse-Merkur waren dazu nicht bereit.

Für sie springt die TUI in die Bresche und übernimmt mit 215 Millionen Euro einen um 72 Millionen Euro größeren Anteil, als sie – gemessen an ihrer Beteiligung – eigentlich zuschießen müsste. Als Ausgleich dafür habe sich die Stadt Hamburg jedoch verpflichtet, bis März 2011 einen Betrag von 25 Millionen Euro an die TUI zu zahlen, teilte der Konzern am Abend mit.

Hapag-Lloyd ist durch den drastischen Rückgang der Frachtmengen und den Verfall der Frachtraten unter Druck geraten. Die Containerlinie hatte im ersten Quartal im Sog der weltweiten Wirtschaftskrise einen operativen Verlust von 222 Millionen Euro eingefahren. Seither habe sich die Marktlage nicht grundsätzlich verbessert, hieß es. Die Reederei hat inzwischen einen Investitions- und Einstellungsstopp verkündet sowie ein Sparprogramm von rund 400 Millionen Euro aufgelegt. Die Unternehmensberatung Roland Berger sei von der Überlebensfähigkeit der Reederei überzeugt, teilte die TUI mit.

In den kommenden Wochen wollen sich die Gesellschafter nun auf ein Paket von langfristigen Kapital- und Finanzierungsmaßnahmen verständigen. Daran will sich eventuell auch der Spediteur Kühne beteiligen, „soweit diese nach Prüfung sinnvoll erscheinen“, wie er mitteilen ließ.