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Wirtschaft Hannover Rück-Chef Wallin: „Dividende wird größer ausfallen“
Mehr Welt Wirtschaft Hannover Rück-Chef Wallin: „Dividende wird größer ausfallen“
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19:03 26.12.2012
Vorstandsvorsitzende der Hannover Rück, Ulrich Wallin. Quelle: Surrey
Hannover

Herr Wallin, wie sieht Ihre vorläufige Bilanz des Jahres 2012 aus?
Für Hannover Rück ist das Jahr bislang sehr erfreulich verlaufen. Wir verzeichnen ein kräftiges Prämienwachstum und eine verbesserte Profitabilität. Dazu trug sowohl die Versicherungstechnik als auch das Kapitalanlageergebnis bei.

Wie das? Schließlich sind die Zinsen für sichere Geldanlagen auf ein Rekordtief gesunken ...
Das stimmt. Allerdings müssen Sie bedenken, dass ein großer Teil unserer Kapitalanlagen noch aus früheren Jahren mit höheren Zinssätzen stammt. Die durchschnittliche Restlaufzeit beträgt noch über fünf Jahre. Dadurch verzeichnen wir Kursgewinne. Daher unterstützen derzeit Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren das Kapitalergebnis. Aber dieser Effekt wird irgendwann auslaufen.

Warum?
Wir können heute Geld nur noch zu viel schlechteren Konditionen anlegen. Nach und nach sinkt dadurch die Rendite des ganzen Kapitalanlagebestandes – und die Kursgewinne schmelzen ab.

Wie lief das Versicherungsgeschäft?
Sehr gut. Den steigenden Prämien standen bislang relativ geringe Schadenaufwendungen gegenüber. Dadurch haben wir einen hohen Cashflow. Dies lässt die selbst verwalteten Kapitalanlagen weiter ansteigen, was wiederum für höhere Kapitalerträge sorgt.

Wie hat sich der Unternehmenswert in den vergangenen Jahren entwickelt?
Ende 2008 lag der Buchwert der Hannover Rück bei 2,8 Milliarden Euro. Heute ist es mehr als das Doppelte.

Und wie stehen Sie in der Branche da?
Gemessen an der Bruttoprämie stehen wir heute global auf Platz drei. Bei der Eigenkapitalrendite waren wir 2010 und 2011 sogar die Nummer eins. Unser organisches Wachstum ist stärker als im Marktschnitt, zugleich haben wir deutliche Kostenvorteile. Unsere Kostenquote ist mit 2,8 Prozent im Konkurrenzvergleich sehr niedrig.

Liegt das daran, dass Sie Ihren Mitarbeitern niedrigere Gehälter zahlen?
Nein. Das ist nicht der Grund. Wir bemühen uns aber offensichtlich erfolgreich, uns effektiv aufzustellen.

Sind die Kostenvorteile der einzige Grund für den überdurchschnittlichen Erfolg?
Wir verfolgen eine Politik des selektiven Wachstums. Wir wollen also jeweils da wachsen, wo wir die besten Chancen sehen. Zum Beispiel ergaben sich infolge der Finanzmarktkrise im Jahr 2009 gute Chancen in der Kredit- und Kautions-Rückversicherung. Hier haben wir unseren Marktanteil substanziell ausgebaut. Jetzt fahren wir dieses Geschäft wegen der schlechteren Konjunkturaussichten jedoch eher zurück.

Es gab einige größere Insolvenzen in jüngster Zeit. Sind Sie davon auch als Kredit-Rückversicherer betroffen?
Ja, natürlich. Die Schlecker-Insolvenz war in dieser Sparte unser größter Schadenfall. Mit einem Schadenaufwand von unter 10 Millionen Euro hat er es aber nicht auf unsere Großschadenliste 2012 geschafft.

Wie sieht generell Ihre Schadenbilanz aus?
Günstig – wenn bis zum Jahresende nichts Großes mehr passiert. Größter Einzelschaden ist bislang der Wirbelsturm „Sandy“. Aber auch er passt noch gut ins Großschadenbudget von insgesamt 560 Millionen Euro für 2012.

„Sandy“ ist immerhin einer der größten Versicherungsschäden überhaupt. Dennoch sind Sie davon offenbar nur moderat betroffen. Wie erklärt sich das?
Seit der verheerenden Wirbelsturmserie an der US-Ostküste im Jahr 2005 haben wir unser Risikomanagement komplett überarbeitet und betreiben das Katastrophengeschäft sehr restriktiv. Dazu gehört, dass wir das Geschäft viel stärker vom Kapitalbedarf her steuern. Ziel ist eine Verstetigung der Ergebnisse. So darf nur einmal in zehn Jahren in der Jahresbilanz nach internationaler Rechnungslegung ein Konzernverlust stehen.Das Jahr 2011 zeigt den Erfolg der Strategie. Obwohl es äußerst großschadenträchtig war, erzielte Hannover Rück ein gutes Ergebnis.

Werden Ihre Aktionäre von der guten Entwicklung des Unternehmens profitieren?
Wie Sie wissen, wollen wir in der Regel 35 bis 40 Prozent des Konzerngewinns als Dividende ausschütten. Davon abgesehen wollen wir jedoch nur so viel Kapital im Unternehmen behalten, wie wir für die Entwicklung unseres Geschäftes brauchen. Derzeit übertrifft das Eigenkapital unseren Bedarf, wir wollen es deshalb vorsichtig zurückführen, indem wir es an die Aktionäre ausschütten. Deshalb könnte die nächste Ausschüttung 40 Prozent des Gewinns übersteigen, aber nicht wesentlich.

Was bedeutet das in Euro und Cent?
Genau kann ich Ihnen das noch nicht sagen. Sicher ist, dass die Dividende deutlich größer ausfallen wird als die 2,10 Euro für 2011. Und sicher ist auch, dass unser Großaktionär, die Talanx AG, mit einer Dividende von zum Beispiel 2,60 Euro nicht zufrieden wäre.

Wie sehen Ihre Planungen für 2013 aus?
Die Raten im Rückversicherungsgeschäft dürften nochmals anziehen, aber nur leicht. Allerdings wird auch noch der Anstieg aus 2012 nachwirken. Insgesamt sind die Aussichten in der Versicherungstechnik mindestens so gut wie 2012. Bei den Kapitalerträgen erwarten wir einen leichten Renditerückgang, der jedoch durch den Effekt des größeren Kapitalanlagevolumens mehr als ausgeglichen wird. Zugleich könnte jedoch das außerordentliche Kapitalanlageergebnis sinken, wenn weniger Gewinne realisiert werden. Alles zusammengenommen sollte das nächste Jahr mindestens 800 Millionen Euro Gewinn bringen.

Welche Auswirkungen hat die Euro-Schuldenkrise?
Sie wird noch längere Zeit für sehr niedrige Anleiherenditen sorgen. Das ist zwar schlecht für Kapitalanleger und für alle langfristigen Ansparvorgänge wie die private Altersvorsorge. Aber die Politik hat das so entschieden, weil die Schuldenkrise derzeit nun mal das drängendste Problem ist.

Sie hatten vor einiger Zeit zu erkennen gegeben, dass eine Verlagerung des Unternehmenssitzes ins Ausland nicht ausgeschlossen ist. Gilt das noch?
Eine Sitzverlagerung ist mit großem Stress und hohen Kosten verbunden. Sie kommt daher nur infrage, wenn sie erhebliche Vorteile bringt. Dies könnte dann der Fall sein, wenn wir als Folge des geplanten neuen Aufsichtsrechts Solvency II in Deutschland substanziell mehr Eigenkapital bereithalten müssen als in einem anderen europäischen Land – also im Milliardenbereich. Zurzeit sehen wir aber keine Notwendigkeit für einen Umzug. Die Umwandlung von einer AG in eine Europäische Aktiengesellschaft läuft jedoch, sie sollte noch im ersten Quartal 2013 wirksam werden. Damit haben wir uns die Möglichkeit für einen Umzug geschaffen, der aber, wie gesagt, nicht aktuell ist.

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