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Wirtschaft Hannover Messe trotzt der Krise
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23:07 24.04.2009
Von Jens Heitmann
Dichtes Gedränge herrschte am Stand des Auricher Windanlagenbauers Enercon nicht nur während des Rundgangs von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: Rainer Dröse
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In den fünf Tagen seien etwa 210.000 Besucher auf das Gelände gekommen – das sind knapp 13 Prozent weniger als im Jahr 2007, das wegen des Messeturnus vergleichbar ist. Die Zahl der Aussteller lag mit 6150 rund 4 Prozent niedriger. Angesichts der Wirtschaftskrise werte er das als Erfolg, erklärte von Fritsch. „Ich habe hier Kampfgeist gespürt.“

Die Aussteller zogen ebenfalls ein überwiegend positives Fazit – wenn auch etwas zurückhaltender: „Die Stimmung auf der Messe war besser als die Zahlen“, sagte Friedhelm Loh, Präsident des Elektrobranchenverbandes ZVEI. Die Maschinen- und Anlagenbauer sehen eine durchwachsene Bilanz: Während sich die Hersteller von Windrädern über volle Auftragsbücher freuen, zeigen sich die Anbieter von Antriebs- und Automatisierungstechnik deutlich reservierter. „Insgesamt sind wir aber Galaxien vom Katzenjammer entfernt“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA, Hannes Hesse.

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Diesen Trend spiegelt auch eine Umfrage des Ausstellerbeirates unter 264 auf dem Messegelände vertretenen Firmen wider: 29 Prozent der Befragten schätzen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als eher positiv ein, 3 Prozent sogar als sehr positiv. Weitere 40 Prozent äußerten sich weder positiv noch negativ. Das sei „ein unerwartet optimistisches Bild“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Dietmar Harting: „Wir Aussteller stehen also sprichwörtlich in den Startlöchern.“

Die Hannover Messe war am Montag eher schleppend angelaufen, an den beiden folgenden Tagen hingegen sei mit der Besucherzahl auch die Stimmung der Aussteller gestiegen, berichteten Unternehmer. Für einen Dämpfer habe dann allerdings das Frühjahrgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute gesorgt, das für das laufende Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6 Prozent voraussagt. „Eine solche Prognose ist eine Schweinerei“, schimpfte ein Verbandsvertreter. „Die stochern doch auch nur im Nebel.“

Im vergangenen Jahr hatten sich viele Aussteller über Mangel an internationalen Besuchern beklagt, insbesondere aus den USA. Die Messe AG hatte dort im Vorfeld eigens eine Werbekampagne gestartet; am Ende musste sie sich jedoch erneut mit knapp 4000 amerikanischen Besuchern begnügen. Messe-Chef von Fritsch begründete das mit den Reisebeschränkungen, die inzwischen in vielen Unternehmen gelten.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die nächste Industrieschau (19. bis 23. April 2010) deutlich kleiner ausfallen wird, weil dann turnusbedingt vier der diesjährig 13 Teilmessen aussetzen – darunter die Antriebs- und Fluidtechnik (MDA), die mit 1234 Ausstellern allein sieben Hallen belegte.
Die Veranstalter wollen mit einer neuen Sonderschau gegensteuern. Im Mittelpunkt der „MobiliTec“ sollen unter anderem hybride und elektrische Antriebe stehen, sagte Geschäftsbereichsleiter Wolfgang Pech. Unterstützung erhofft man sich auch vom Partnerland Italien, das Südkorea ablöst.

Stefan Winter 24.04.2009
24.04.2009