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Wirtschaft Hamburg-Mannheimer setzte Sexparty von Steuer ab
Mehr Welt Wirtschaft Hamburg-Mannheimer setzte Sexparty von Steuer ab
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15:59 29.05.2011
Die Hamburg-Mannheimer setzte die Sexparty von der Steuer ab. Quelle: dpa
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Die Kosten der Sexparty für erfolgreiche Versicherungsvertreter der Hamburg-Mannheimer sind von der Steuer abgesetzt worden. Die Summe von 83.000 Euro habe die Versicherung vollständig steuerlich geltend gemacht, bestätigte eine Sprecherin des Mutterkonzerns Ergo einen Bericht der „Welt am Sonntag“. Dadurch seien Gewinn und Steuerlast vermindert worden. Es sei eine „normale Veranstaltung“ gewesen und dementsprechend als Betriebsausgaben abgesetzt worden.

„Die Rechnung ist in voller Höhe als Betriebsausgabe behandelt worden“, sagte ein Ergo-Sprecher der „WamS“. „Nach unseren bisherigen Prüfungen war das steuerrechtlich in Ordnung. Wir prüfen jedoch weiter, ob man eine andere Beurteilung vornehmen kann und wie wir die Angelegenheit bereinigen können.“

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Mitte Mai war bekanntgeworden, dass die mittlerweile zum Ergo-Konzern gehörende Hamburg-Mannheimer 2007 für ihre 100 besten Vertreter eine Sexparty mit 20 Prostituierten in den historischen Gellert-Thermen in Budapest organisiert hatte. Teilnehmer berichteten dem „Handelsblatt“, die attraktivsten Frauen mit weißen Bändchen seien für den Vorstand und die allerbesten Vertriebler reserviert gewesen.

Nach Recherchen der „Welt am Sonntag“ ist es in deutschen Unternehmen durchaus üblich, dass Bordellbesuche über die Firmenspesen abgerechnet werden. Exzesse wie die Sexparty der Versicherung in Budapest seien aber die Ausnahme. Immerhin habe nach Konzernangaben später jeder der rund 100 Teilnehmer 3000 Euro für die Gesamtreisekosten an geldwertem Vorteil versteuern müssen.

Laut „WamS“ gibt es viele Möglichkeiten, sich mit Prostituierten auf Firmenkosten zu vergnügen, ohne dass es auf der Rechnung auftauche. So könnten die Damen etwa als mehrsprachige Hostessen abgerechnet werden. Sexuelle „Zusatzleistungen“ könnten nach Angaben von Steuerfahndern auch in einem erhöhten Zimmerpreis verrechnet werden. Es gebe „keine Chance“, das aufzudecken, zitiert die Zeitung einen Fahnder. Auch in den Belegen der Sause in Budapest habe es keinen Posten Prostitution oder gar eine Detailrechnung gegeben, sagte der Ergo-Sprecher. Die steuerliche Behandlung von Prostitution ist nach Angaben der Zeitung in Deutschland nicht klar geregelt.

dpa