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Wirtschaft Hälfte bekommt Lohnerhöhung später
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11:57 13.04.2009
Die Hälfte der Metaller bekommt Lohnerhöhung später. Quelle: Alexander Heimann/ddp
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Kannegiesser verwies am Wochenende auf die im Tarifvertrag vereinbarte Möglichkeit, die zweite Erhöhungsstufe um bis zu sieben Monate zu verschieben. IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte, es müsse in jedem Einzelfall mit dem Betriebsrat entschieden werden.

Kannegiesser sagte zu der bei den Tarifverhandlungen vereinbarten Möglichkeit des Aufschubs der Lohnerhöhung: „Davon wollen schätzungsweise bis zur Hälfte der Firmen und Beschäftigten Gebrauch machen.“ Er verwies in der „Bild“-Zeitung vom Samstag darauf, dass die Entscheidung darüber in den Betrieben falle. Als Grund für die Verschiebung nannte er die schwere Krise in der Branche. Danach könnte die Produktion der Metall- und Elektroindustrie 2009 um mehr als zehn Prozent schrumpfen.

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In dem im November abgeschlossen Tarifvertrag vereinbarten die Arbeitgeber und die IG Metall für die 3,6 Millionen Beschäftigten zwei Lohnsteigerungen von jeweils 2,1 Prozent - eine zum 1. Februar, eine zum 1. Mai. Die zweite Erhöhung kann ein Betrieb laut Vertrag um bis zu sieben Monate verschieben, falls er sich „in wirtschaftlichen Schwierigkeiten“ befindet. Voraussetzung dafür ist aber eine Einigung mit dem Betriebsrat.

IG-Metall-Chef Huber sagte der „Bild am Sonntag“: „Einen pauschalen Aufschub wird es nicht geben.“ Er nannte konkrete Bedingungen für eine Verschiebung der Lohnerhöhung: „Der Tarifvertrag ist doch kein Wunschkatalog. Nur wenn Unternehmer und Betriebsrat im Einzelfall gemeinsam der Auffassung sind, dass eine Verschiebung aufgrund der wirtschaftlichen Lage geboten ist und Arbeitsplätze gesichert werden, kann eine Verschiebung freiwillig vereinbart werden.“ Die IG Metall hatte sich zuvor bereits gegen die Aufforderung Kannegiessers gewandt, die zweite Stufe der Lohnerhöhung generell zu verschieben. Huber hatte den Arbeitgebern vorgeworfen, sie wollten Profit aus der Krise schlagen.

Kannegiesser wies den Vorwurf zurück, es herrsche bei den Arbeitgebern der Branche eine zu große Gier. Die Kritik der Gewerkschaften sei „absurd und unfair“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Die Unternehmen der Branche hätten 2008 durchschnittlich „kaum mehr als zwei Prozent Gewinn gemessen am Umsatz erzielt“. In diesem Jahr sei die Umsatzrendite sogar deutlich negativ. „Von Januar bis März machen die Betriebe im Schnitt bis zu zwei Prozent Minus. Sie leben derzeit aus der Substanz“, sagte er der Zeitung.

Der Gesamtmetall-Chef ging davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte vermehrt Stellen gestrichen werden müssten. Er äußerte jedoch zugleich die Hoffnung, die Branche werde trotz der angespannten Situation auf Massenentlassungen verzichten. „In den letzten 40 Jahren habe ich keine Krise erlebt, in der sich unsere Firmen so intensiv um Joberhalt gesorgt haben“, sagte Kannegiesser. Hilfreich seien die Tarifverträge sowie die Kurzarbeit, die derzeit für 1,4 Millionen Metaller angezeigt sei. „Aber dies ist dauerhaft nicht durchhaltbar. In der zweiten Jahreshälfte wird es daher mehr Jobabbau geben, aber sicher keinen Kahlschlag.“

Kannegiesser warnte die Bundesregierung zugleich vor einem weiteren Konjunkturpaket. „Das restliche Pulver muss trocken gehalten werden, um beispielsweise Entlassungen im Herbst sozial abzufedern“, sagte er.

afp