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Wirtschaft HRE-Chef Wieandt überraschend zurückgetreten
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17:39 25.03.2010
Der Chef des verstaatlichen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE), Axel Wieandt, ist zurückgetreten.
Der Chef des verstaatlichen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE), Axel Wieandt, ist zurückgetreten. Quelle: dpa (Archiv)
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Der Chef des verstaatlichen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), Axel Wieandt, hat überraschend seinen Posten geräumt. Wieandt sei auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung von seinen Pflichten entbunden worden, teilte der Bankenrettungsfonds SoFFin am Donnerstag in Frankfurt mit. Bis auf Weiteres soll Manuela Better die Geschäfte des Unternehmens leiten, die im HRE-Vorstand bisher für das Risikomanagement verantwortlich war. Über die Nachfolge Wieandts werde der Aufsichtsrat dann „zu gegebener Zeit“ entscheiden, teilte der Immobilienfinanzierer mit.

Zu den Hintergründen hieß es lediglich, Wieandt habe wegen „unterschiedlicher Auffassungen bezüglich der Geschäftsleitung“ zwischen ihm und dem SoFFin seinen Rücktritt angeboten. Auch soll es unterschiedliche Vorstellungen über das Gehalt gegeben haben: Wieandt habe deutlich mehr gefordert, hieß es im Umfeld des Unternehmens. Im Falle von Banken, die staatlich gestützt werden, ist eine Obergrenze von 500.000 Euro üblich. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht näher äußern und verwies für weitere Einzelheiten auf die Bilanz- Pressekonferenz an diesem Freitag (26. März). Eigentlich sollte Wieandt die Veranstaltung leiten, es wäre sein erster Auftritt bei einer Pressekonferenz als HRE-Chef gewesen. Diese Aufgabe fällt nun Better zu, die dem Vorstand des Unternehmens seit Februar 2009 angehört.

Wieandt hatte im Oktober 2008 das Ruder bei der HRE als Nachfolger von Georg Funke übernommen, der auf dem Höhepunkt der Krise seinen Hut nehmen musste. Der SoFFin erklärte, man nehme Wieandts Entscheidung „mit Bedauern“ zur Kenntnis. „Herr Dr. Wieandt hat mit der Stabilisierung der HRE und der Einleitung der Restrukturierung des Konzerns während der Finanzmarktkrise eine überaus schwierige Aufgabe übernommen und hierbei sehr gute Arbeit geleistet.“

Im vergangenen Jahr dürfte der Immobilienfinanzierer den Bund als neuen Besitzer mit einem Milliardenverlust belastet haben. Allein bis Ende September häufte der Konzern ein Minus von 1,7 Milliarden Euro an. Auch für das vierte Quartal gilt ein Verlust als sicher. Wieandt hatte in den vergangenen Monaten mehrfach erklärt, dass die Sanierung des Unternehmens Zeit brauche, mit Gewinnen sei frühestens im Jahr 2012 zu rechnen.

Der Immobilienfinanzierer konnte im Herbst 2008 nur mit staatlichen Hilfen vor der Pleite bewahrt werden. Insgesamt hat die Bank Finanzhilfen von mehr als 100 Milliarden Euro erhalten. Um die Sanierung voranzutreiben, hatte der Bund die Hypo Real Estate im vergangenen Oktober vollständig in seinen Besitz gebracht und die letzten Aktionäre vor die Tür gesetzt. Zahlreiche Anleger hatten dagegen protestiert und von einer Enteignung gesprochen. Vor dem Landgericht München sind zahlreiche Klagen von Aktionären anhängig.

dpa