Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Guttenberg bedauert Vertagung der Entscheidung über Opel-Zukunft
Mehr Welt Wirtschaft Guttenberg bedauert Vertagung der Entscheidung über Opel-Zukunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:52 22.08.2009
Quelle: Michael Kappeler/ddp
Anzeige

„Ich bedauere, dass sich der Aufsichtsrat nicht zu einer Entscheidung durchringen konnte“, sagte zu Guttenberg am Sonnabend der Online-Ausgabe des „Hamburger Abendblatts“. „Bund und Länder haben GM alle Informationen zur Verfügung gestellt, die nach ihrer Auffassung für eine Entscheidung benötigt werden. Auch die Bieter haben noch einmal nachgebessert und unterschriftsreife Verträge vorgelegt.“

Guttenberg fügte hinzu, im übrigen zahle sich jetzt aus, dass „auf mein Drängen hin die Adam Opel AG und die anderen europäischen Tochtergesellschaften in eine Treuhandgesellschaft eingebracht wurden“. „Damit haben wir einen stabilen Rahmen, in dem die Gespräche jetzt fortgesetzt werden können.“ Der CSU-Politiker zeigte sich überzeugt, es gebe „noch Raum für eine Einigung“.

Der Verwaltungsrat des Opel-Mutterkonzerns GM hatte nach einer Telefonkonferenz des GM-Verwaltungsrats am Freitag keine Empfehlung im Bieterrennen um den deutschen Autobauer bekannt geben wollen. „Wir werden heute überhaupt nichts sagen“, sagte GM-Sprecherin Julie Gibson. Das Gremium beriet über die beiden verbliebenen Interessenten, den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und den Finanzinvestor RHJ International (RHJI). Die Sprecherin bekräftigte, dass der Verwaltungsrat die Übernahmekonzepte beider Bieter prüfe und dann voraussichtlich gegenüber der Opel-Treuhand eine Empfehlung aussprechen werde.

Arbeitnehmervertreter, die Ministerpräsidenten von Bundesländern mit Opel-Werken und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bevorzugen eine Übernahme durch Magna gemeinsam mit der halbstaatlichen russischen Sberbank. Von der Zustimmung Deutschlands hängen Milliardenbürgschaften zur Stützung von Opel ab.

Unter Autoexperten sind die beiden Angebote im Übernahmepoker um Opel derweil umstritten. „Es ist nicht entscheidend, ob Magna oder RHJ International den Zuschlag bekommt“, sagte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft der „Berliner Zeitung“ vom Sonnabend. „Entscheidend für Opel wird sein, ob man weiter technologisch mit GM zusammenarbeiten kann. Denn Opel ist alleine zu klein, um zu überleben, egal, ob mit Magna oder RHJ International - beides wird nicht gut gehen.“ Opel brauche einen große Automobilhersteller als Partner, sagte Diez. Es sei entscheidend, dass GM und Opel auch in Zukunft vor allem bei den Antriebstechnologien zusammenarbeiteten. „Denn neue, sparsame Motoren und alternative Antriebe werden in den nächsten Jahren sehr viel Geld kosten.“

Der Autoexperte Stefan Bratzel wies keinem der beiden Interessenten eine Favoritenrolle zu. „Ich halte beide Kandidaten langfristig nur für Übergangslösungen“, sagte Bratzel der Zeitung. Sowohl Magna als auch RHJ International könnten „Opel nicht eine Größe geben, mit der das Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen kann“. „Am Ende muss hier ein anderer Autohersteller eng mit Opel kooperieren oder gar einsteigen, damit eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet wird.“

afp