Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Großbritannien pumpt frisches Geld in Volkswirtschaft
Mehr Welt Wirtschaft Großbritannien pumpt frisches Geld in Volkswirtschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:41 06.10.2011
Demonstranten protestieren vor der Bank of England.
Demonstranten protestieren vor der Bank of England gegen die geldpolitischen Maßnahmen. Quelle: dpa
Anzeige
London

Die Bank of England pumpt im Kampf gegen die lahmende Konjunktur frisches Geld in die britische Volkswirtschaft. Für 75 Milliarden Pfund (86,8 Mrd Euro) sollen Unternehmensanleihen gekauft werden. Damit will die Zentralbank der Wirtschaft zusätzliches Kapital für Investitionen bereitstellen.

Bereits 2009 hatte die Bank über dieses sogenannte „Quantitative Easing“ 200 Milliarden Pfund in die Wirtschaft gepumpt. Die Bank ließ nach Angaben vom Donnerstag den Zinssatz derweil unverändert auf dem historischen Niedrigstand von 0,5 Prozent. Dort verharrt er inzwischen seit März 2009.

Das britische Pfund gab an den Börsen nach der Ankündigung deutlich nach, fing sich dann aber wieder und pendelte bei 1,15 Euro.

Die geldpolitische Maßnahme ist wegen der damit verbundenen Inflationsgefahr höchst umstritten. Einige Experten, darunter der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten von den Industrieländern eine Abkehr von der strikten Sparpolitik verlangt, um die Wirtschaft in der Euro-Schuldenkrise zu stimulieren.

Die Bank von England setzt darauf, dass die ohnehin im Vergleich der Industrieländer hohe Inflation von derzeit 4,5 Prozent (Deutschland: 2,4 Prozent) mittelfristig unter die Zielmarke von zwei Prozent fallen wird. Sie riskiert deshalb die Geldmengenausweitung, weil ihr die Ankurbelung der Konjunktur noch wichtiger ist. Das Wirtschaftswachstum betrug im zweiten Quartal 2011 in Großbritannien im Vergleich zum Vorquartal 0,1 Prozent. Die Prognose der Regierung von 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum für das Gesamtjahr ist schon jetzt nicht mehr zu halten.

Die britische Zentralbank geht allerdings auch selbst davon aus, dass die Verbraucherpreise in den nächsten Wochen - unter anderem wegen höherer Energiekosten - deutlich steigen werden. Schon im nächsten Monat könnte die Inflationsrate bei fünf Prozent liegen, teilte die Bank mit.

„Die Inflation wird wahrscheinlich im nächsten Jahr stark zurückgehen, weil die steigernden Faktoren verschwinden und ein Abwärtsdruck durch steigende Arbeitslosigkeit und Überkapazitäten entsteht“, glauben die Währungshüter um Zentralbankchef Mervyn King. Die Verbraucherpreise waren 2011 stark gestiegen, weil die Mehrwertsteuer von 17,5 auf 20 Prozent ausgeweitet worden war und die Benzinpreise deutlich stiegen.

dpa

Mehr zum Thema

Auch zum Abschied denkt EZB-Präsident Trichet vor allem an stabile Preise. Die Rezession steht als eine Folge der Staatsschuldenkrise vor der Tür. Doch der scheidende Währungshüter kann die Zinsen nicht senken, um die Konjunktur anzukurbeln: Die Inflation ist zu hoch.

06.10.2011

Griechenland versucht die Staatspleite abzuwenden und sieht sich zu harten Einschnitten gezwungen. Dazu gehört ein spürbarer Stellenabbau im öffentlichen Dienst. Tausende Beschäftigte streikten am Mittwoch und gingen auf die Straßen.

05.10.2011

Das EU-Parlament hat den Weg für einen verschärften Stabilitätspakt frei gemacht. Er sieht strengere Haushaltsdisziplin, schärfere Strafen für Defizitsünder und ein schnelleres Krisenmanagement vor.

28.09.2011