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Wirtschaft Größter Abnehmer Deutschlands: Die Bahn will weniger Glyphosat auf den Gleisen
Mehr Welt Wirtschaft Größter Abnehmer Deutschlands: Die Bahn will weniger Glyphosat auf den Gleisen
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17:31 30.08.2019
Im Einsatz gegen Wildwuchs auf den Gleisen setzt die Bahn bislang vor allem auf Glyphosat. Quelle: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin

Die Deutsche Bahn will weniger Glyphosat-haltige Unkrautvernichter einsetzen. Im vergangenen Jahr wurden noch 57 Tonnen des umstrittenen Totalherbizids entlang der Gleise versprüht. Nächstes Jahr soll es noch halb so viel sein, sagte ein Konzernsprecher der Deutschen Presse-Agentur. Stattdessen werde Unkraut stärker manuell beseitigt, um die Schienen frei zu halten.

"Auf weiten Teilen des Streckennetzes wird ab 2020 kein Glyphosat ausgebracht", kündigte die Bahn am Freitag an. Bislang seien 90 Prozent des Netzes einmal im Jahr mit Glyphosat behandelt worden, rund 63 000 Gleiskilometer. Ausgenommen davon seien Naturschutzgebiete und Brücken.

63 Tonnen jährlich

Nach eigenen Angaben hat die Bahn den Glyphosat-Einsatz in den vergangenen Jahren bereits reduziert. "Die neue Strategie "Starke Schiene" hat den Umweltschutz im Fokus", hieß es bei dem Unternehmen. 2017 hatte die Bahn noch 67 Tonnen Glyphosat eingesetzt. Im vergangenen Jahr war es wegen der Dürre deutlich weniger. Laut Geschäftsbericht war es etwa ein Kilogramm pro Gleiskilometer - was etwa 63 Tonnen entspräche.

Trotzdem ist die DB nach eigenen Angaben der größte Einzelabnehmer von Glyphosat in Deutschland, jedoch mit lediglich 0,4 Prozent der Gesamtmenge.

Der Konzern arbeitet zugleich an alternativen Methoden, die ähnlich wirksam wie das Herbizid sein sollen. Erprobt wird etwa, ob sich das Unkraut mit heißem Wasser, Strom oder UV-Licht beseitigen lässt. Experimentiert wurde auch schon mit Heißdampf, Mikrowellen und Hochfrequenzenergie - diese Methoden erwiesen sich aber als sehr zeit- und energieaufwendig.

WHO: "Wahrscheinlich krebserregend"

Die WHO-Krebsforschungsagentur IARC hatte den Unkrautvernichter Glyphosat 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" für Menschen eingestuft. Der Hersteller, die Bayer-Tochter Monsanto, widerspricht dem. Bei vorschriftsgemäßer Anwendung seien die Produkte ungefährlich.

Der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat sich mit der Übernahme des US-Herstellers Monsanto viel Ärger eingehandelt: Der Dax-Konzern muss sich mit 18 400 Klägern herumschlagen - sie werfen Monsanto Gesundheitsschäden nach der Nutzung von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat vor. Drei Prozesse hat Bayer bereits verloren und wurde dabei jeweils zu Schadenersatz im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich verurteilt.

Umweltministerium begrüßt Ankündigung

Bundesumweltministerin Schulze (SPD) begrüßte die Ankündigung der Bahn: "Der Glyphosat-Ausstieg ist nicht nur möglich, er findet bereits statt - in vielen Kommunen und jetzt auch bei der Bahn." Ein sparsamer und nachhaltiger Umgang mit Pflanzenschutzmitteln sei nötiger denn je. Das um sich greifende Artensterben bei Wildbienen, Schmetterlingen und Vögeln müsse gestoppt werden. "Spätestens 2023 - wenn die derzeitige EU-Wirkstoffzulassung endet und gegebenenfalls zur Verlängerung ansteht – muss Glyphosat in Deutschland gesetzlich verboten sein."

2017 hatten die EU-Staaten die Glyphosat-Zulassung bis Ende 2022 verlängert - Deutschland hatte zugestimmt, obwohl die Bundesregierung uneins war. Die große Koalition strebt einen schrittweisen Ausstieg spätestens bis 2023 an. Sie will voraussichtlich im September ein Konzept zum Umgang mit Glyphosat vorlegen. Zwischen den Ministerien von Schulze und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist das Thema aber heftig umstritten.

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dpa

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