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Wirtschaft Google kauft Handy-Pionier Motorola
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19:51 15.08.2011
Erfolgreiche Suche: Google kommt mit der Motorola-Übernahme im Kampf der Handy-Betriebssysteme einen großen Schritt voran. Quelle: dpa
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New York

Zugleich birgt der Überraschungscoup die Gefahr von Spannungen mit anderen wichtigen Partnern des weltweit führenden Smartphone-Betriebssystems Android.

Der Internetkonzern langt für den Kauf von Motorola Mobility richtig hin: Die 40 Dollar pro Aktie in bar sind ein stolzer Aufpreis von 63 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. Der Zukauf werde dem Android-System einen kräftigen Schub geben, versprach Page, der seit viereinhalb Monaten an der Konzernspitze steht. Die Verwaltungsräte beider Firmen hätten der Übernahme einhellig zugestimmt, teilten Google und Motorola Mobility mit.

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Der Mobilfunkpionier Motorola spielt schon seit Jahren keine führende Rolle in der Branche, verfügt aber über eines der umfangreichsten Patentarsenale. Android ist aktuell einer Reihe von Patentklagen der Konkurrenz ausgesetzt. Besonders brenzlig wurde zuletzt die Auseinandersetzung mit dem Softwareriesen Oracle, der bei Android eine Verletzung von Patenten für die Programmiersprache Java sieht und Milliarden als Entschädigung haben will.

Die Anleger waren zunächst nicht überzeugt: Die Google-Aktie gab im frühen New Yorker Handel um rund 2 Prozent nach. Der Kurs der zuletzt schwer gebeutelten Nokia-Papiere sprang hingegen um 9 Prozent hoch – weil die Spekulationen, Google-Konkurrent Microsoft könnte den schwächelnden Handyweltmarktführer kaufen, neuen Auftrieb bekamen. Das Geschäft muss noch von den Wettbewerbshütern genehmigt werden und soll Ende 2011 oder Anfang 2012 über die Bühne gehen.

Motorola Mobility solle als eigenständiger Konzernteil agieren, betonte Google. Man werde mit allen anderen Android-Partnern weiterarbeiten. Eine Frage ist aber, ob der Deal das Verhältnis zu anderen großen Android-Herstellern wie HTC oder Samsung strapazieren könnte.

Der Motorola-Konzern war vor einiger Zeit aufgespalten worden. Die traditionsreiche Mobilfunksparte wurde dabei vom restlichen Geschäft etwa mit Settopboxen abgetrennt und Anfang des Jahres an die Börse gebracht. Die vergangenen Jahre waren für das Handygeschäft von Motorola eher wechselhaft. Unter dem Druck asiatischer Konkurrenten wie Samsung oder LG schwand der Anteil am Mobilfunkmarkt schnell und lag zuletzt nur noch bei 2,4 Prozent.

Den letzten weltweiten Verkaufserfolg konnte Motorola mit dem 2005 entwickelten Klapphandy Razr landen. Der kurz darauf aufziehende Smartphone-Boom ging bisher weitgehend an Motorola vorbei. Erst in diesem Jahr meldeten sich die Amerikaner mit einer Handvoll neuer Geräte zurück, darunter auch Smartphones und ein Tablet-PC namens Xoom.

dpa/hk

Dieser Artikel wurde aktualisiert.