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Wirtschaft Gold bleibt heiß begehrt
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09:12 08.04.2012
Banken rechnen mit steigenden Goldpreisen.
Banken rechnen mit steigenden Goldpreisen. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Das vorläufige Rekordhoch erreichte der Goldpreis im vergangenen September. Damals trieb die Sorge vor einer Eskalation der Schuldenkrise den Preis für eine Unze (etwa 31 Gramm) zeitweise auf etwa 1920 US-Dollar. Mit dem Schuldenschnitt in Griechenland und der Entspannung in der Euro-Schuldenkrise spielt Gold derzeit nicht mehr eine so wichtige Rolle wie zuvor als „sicherer Hafen“, aktuell ist das Edelmetall deutlich günstiger zu haben. Der Preis für die Feinunze stand zuletzt unter der Marke von 1700 Dollar.

Mit der Entspannung in der Schuldenkrise senkten führende Banken wie zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS ihre Prognose. Sie rechnen zwar immer noch mit steigenden Goldpreisen, aber es soll nicht mehr so stark nach oben gehen, wie in den vergangenen Monaten erwartet. Experten der Deutschen Bank halten gar einen kräftigen Einbruch in Richtung der Marke von 1500 Dollar für möglich.

Nach wie vor allerdings gibt es Fachleute, die unbeirrt eine neue Rekordjagd beim Goldpreis erwarten, wie zum Beispiel die Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs. Auch die deutsche DZ-Bank rechnet im laufenden Jahr mit einem neuen Höhenflug. Deren Rohstoffexperte Gabor Vogel geht davon aus, dass die alte Rekordmarke beim Goldpreis zum Jahresende geknackt werden kann.

Wichtigster Preistreiber ist die Furcht der Anleger vor einer zu starken Inflation. Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Bankensektor der Eurozone mit rund einer Billion Euro geflutet. Die EZB sieht zwar trotz der Geldflut keine Inflationsgefahren, aber das Misstrauen bei einem Teil der Investoren ist groß.

Ein weiterer Preistreiber bleibt die Nachfrage in den arabischen Staaten und in den asiatischen Boom-Regionen. Goldschmuck ist in den Basaren am Persischen Golf, in der Türkei oder in Indien nach wie vor heiß begehrt. Indien ist geradezu verrückt nach dem Edelmetall. Zuletzt gab es allerdings alarmierende Berichte. Ein Streik der Goldhändler gegen eine Verdoppelung der Einfuhrzölle sorgte für einen Ausnahmezustand auf dem wichtigsten Goldmarkt der Welt. Viele Rohstoffexperten sehen denn auch in dem Streik die Ursache für den jüngsten Rückschlag beim Goldpreis.

Von den etwa 300.000 indischen Juwelieren hielten nach Angaben des Verbands der Schmuckhändler zeitweise rund 90 Prozent ihre Läden geschlossen. In einem Land, in dem normalerweise pro Jahr etwa 1000 Tonnen Gold den Besitzer wechseln, beeinflusst ein derartiger Nachfrageinbruch den gesamten Weltmarkt. Jüngste Schätzungen gehen davon aus, dass Privatpersonen in Indien sage und schreibe 18.000 Tonnen Gold horten bei einem aktuellen Marktwert von etwa 800 Milliarden Dollar.

Zugleich rufen die hohen Goldpreise immer stärker Goldfälscher auf den Plan. Die jüngste Masche ist in Großbritannien aufgetaucht. Hier sind gefälschte Kilobarren im Umlauf. Im Inneren der glänzenden Barren findet sich zum großen Teil Wolfram, das unsichtbar in der goldigen Masse eingebettet ist. Normalerweise findet sich Wolfram als Draht in Glühlampen. Für Goldliebhaber hat das Metall zwei fatale Eigenschaften: Es ist fast genauso schwer wie Gold und gleichzeitig nahezu wertlos. 

jhf/dpa

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