Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Gewerkschaften wollen ohne Fridays for Future für Klimaschutz protestieren
Mehr Welt Wirtschaft Gewerkschaften wollen ohne Fridays for Future für Klimaschutz protestieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:09 24.06.2019
Am 29. Juni wollen Metall-Beschäftigte aus ganz Deutschland in Berlin demonstrieren. Quelle: Patrick Seeger/dpa
Hannover

Die mächtige IG Metall macht mobil: Am 29. Juni wollen Metall-Beschäftigte aus ganz Deutschland in Berlin demonstrieren. Zehntausende Arbeitnehmer sollen dann auf der Straße sein. „Wir stehen zum Klimaschutz“, sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann der TAZ. Trotzdem ist das Thema für die Gewerkschaften nicht einfach.

Erst am Wochenende fing sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Klatsche der Gewerkschaften ein. Der Bayer hatte vorgeschlagen, das Ausstiegsdatum aus der Kohleenergie von 2038 auf 2030 vorzuziehen, so wie es die Klimaschutzbewegung von Fridays for Future fordert.

Prompt reagierte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Der gewerkschaftliche Dachverband lehne einen früheren Ausstieg ab, teilte Vorstandsmitglied Stefan Körzell mit. Er pochte darauf, den Kohleausstieg wie geplant bis 2038 zu realisieren – auch aus Sorge um die 20 000 Beschäftigten in der Kohleindustrie. Wer den Kohleausstieg vorziehen und die Strukturhilfen den Revieren vorenthalten wolle, kündige einen mühsam erzielten Kompromiss auf, warnte Körzell.

Ähnliches erlebt derzeit die Automobilindustrie: Während Autobauer und Bundesregierung auf E-Mobilität und möglicherweise auch Wasserstoff-Antriebe setzen, gehen Beschäftigte bei Zulieferern auf die Barrikaden. „Der saubere Diesel ist möglich“, propagierten zuletzt die Bosch-Beschäftigten bei Demonstrationen in Bamberg.

Lesen Sie auch

Energiewende vs. Jobs – für sie steht der Arbeitsplatz auf dem Spiel

Sie forderten, dass auch auf synthetische Kraftstoffe gesetzt werden müsse. Denen bescheinigen zwar zahlreiche Studien einen erheblichen Kostennachteil, auch sind zahlreiche Technologien dafür noch nicht ausgereift. Doch aus Sicht der Beschäftigten haben die synthetischen Kraftstoffe einen zentralen Vorteil: Sie werden in Verbrennungsmotoren eingesetzt, was bei Zulieferern wie Bosch Arbeitsplätze retten könnte. Denn sowohl bei E-Autos als auch bei Wasserstofffahrzeugen wäre die bisherige Bosch-Fertigung in Bamberg weitgehend überflüssig.

Die Gewerkschaften greifen solche Sorgen nun auf und wollen den Druck auf die Politik erhöhen. „Wir brauchen keinen Kulturkampf ums Auto, das ist die völlig falsche Spur“, sagte Gewerkschaftschef Hofmann in einem Interview mit der IG-Metall-Mitgliederzeitung. Stattdessen solle Deutschland „die modernste Autoindustrie der Welt“ werden und zugleich auf umweltverträgliche Lösungen setzen.

Konkret wollen die Gewerkschaften, dass die Bundesregierung mit „massiven Investitionen“ die Voraussetzung dafür schafft. Die IG Metall fordert die Bundesregierung unter anderem auf, die Ladeinfrastruktur auszubauen, eine deutsche Batteriezellfertigung aufzubauen und den ÖPNV zu stärken. Ebenfalls auf der Agenda: Strukturhilfen für Regionen im Umbruch sowie bessere Möglichkeiten zur Weiterbildung und eine verlässliche soziale Absicherung.

Lesen Sie auch

Pilotbetrieb erfolgreich: 242 000 Metallangestellte haben acht freie Tage mehr

Mögliche Kosten benennt Hofmann nicht. Doch wie teuer es sein kann, eine Industrie zu Gunsten des Klimaschutzes aufzugeben, illustriert der Kohlekompromiss: 40 Milliarden Euro staatliche Zuschüsse sollen den Kohleausstieg bis 2038 sozial abfedern. Und dabei geht es nur um 20 000 Beschäftigte, während die IG-Metall knapp 2,2 Millionen Mitglieder vor allem aus den Reihen der Autobauer hat.

Fridays for Future ist nicht dabei

Eine Kooperation mit Fridays for Future plant die IG-Metall bei ihrer Demonstration nach Hofmanns Angaben nicht. Zwar will in Berlin ein breites Bündnis aus Diakonie, Naturschutzbund, Sozialverbänden und Gewerkschaftern protestieren. Delegierte von Fridays for Future seien aber nicht eingeladen, sagte Hofmann der TAZ. Schließlich gebe es bei der Bewegung keine klaren Ansprechpartner, auch sollten bei der geplanten Demonstration die IG-Metall-Themen im Vordergrund stehen.

Was Fridays for Future beizutragen hätte, ist indes ohnehin unklar: Zwar gehört ein „sozial verträglicher“ Umbau der Wirtschaft zu den Forderungen der Klimaschützer. Als am Wochenende Befürworter eines langsamen Kohlestrom-Ausstiegs Söder kritisierten, warf die prominente Klima-Aktivistin Luisa Neubauer ihnen allerdings „eine scheinheilige Instrumentalisierung von Arbeitsplätzen“ vor.

Von RND/Christoph Höland

Der Fachkräftemangel nimmt skurrile Formen an: Die Bundeswehr bemüht sich mit provokanten Sprüchen um Nachwuchs mit Fachkenntnissen. Das stößt dem Handwerk übel auf, denn auch dort wird dringend Personal gesucht. Nun geraten Armee und Verbände aneinander.

24.06.2019

Industrie, Regierung und Gewerkschafter treffen sich heute zum Autogipfel in Berlin – denn die Automobilhersteller als Steckenpferd der deutschen Wirtschaft stehen vor gleich mehreren großen Herausforderungen. Ein Überblick.

24.06.2019

Der Diesel-Skandal verhagelt Daimler die Bilanz: Amtliche Prüfer schauen genauer hin – und verdonnern Daimler zu Konsequenzen. Der Konzern senkt überraschend sein Jahresziel.

23.06.2019