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06:42 28.11.2014
Von Albrecht Scheuermann
Bei vielen Callcentern bekommt man auch sonntags eine Auskunft. Der Branchenverband dringt nun auf eine klare gesetzliche Regelung, die Sonntagsarbeit erlaubt. 
Bei vielen Callcentern bekommt man auch sonntags eine Auskunft. Der Branchenverband dringt nun auf eine klare gesetzliche Regelung, die Sonntagsarbeit erlaubt.  Quelle: dpa
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Hannover

Die Entscheidung (Az.: BVerwG 6 CN 1.13) betrifft zunächst zwar nur das Land Hessen – sie dürfte aber auf alle anderen Bundesländer ausstrahlen.  Bei dem Verfahren ging es um eine Verordnung, die in Hessen Ausnahmen vom Sonntagsarbeitsverbot regelt. Eine ähnliche Verordnung gibt es auch in Niedersachsen, sie weist nach Angaben des Sozialministeriums starke Parallelen zu den Regeln in Hessen auf. „Wir schauen uns die Verordnung nun im Licht des neuen Urteils an“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. In Niedersachsen ist Sonntagsarbeit gemäß der Verordnung in 13 Bereichen erlaubt. Dazu gehören neben Callcentern, Videotheken und Lotto-Toto-Annahmestellen zum Beispiel Blumengeschäfte, Parkhäuser, Brauereien und Musterhausausstellungen.

Neben solchen speziellen Landesverordnungen gilt in ganz Deutschland das Arbeitszeitgesetz, das für weitaus größere Bereiche die Sonntagsarbeit erlaubt – zum Beispiel für Krankenhäuser, Polizei, Theater oder Sporteinrichtungen, Presse und Rundfunk, Landwirtschaft, Bewachungsgewerbe und Bäckereien, aber auch in der Industrie, wenn eine Unterbrechung der Produktion unwirtschaftlich ist. An diesen Ausnahmen ändert sich durch das Leipziger Urteil nichts.

Eine größere wirtschaftliche Bedeutung könnte es dagegen für das Callcentergewerbe haben. So betreibt die Bank ING DiBa in Hannover ein solches Zentrum mit mehr als 600 Arbeitsplätzen. „Die Sonntagsöffnung ist für unseren Kundendialog sehr wichtig, da wir unseren Kunden eine telefonische Erreichbarkeit von 7 mal 24 Stunden bieten“, erklärte ein Banksprecher. Auch Callcenter der Deutschen Bahn sind sonntags erreichbar. Das Unternehmen gehe aber nach wie vor davon aus, dass in seinen verschiedenen Callcentern in Deutschland weiterhin am Sonntagen gearbeitet werden könne, sagte ein Bahnsprecher. Schließlich seien an jedem Tag in der Woche Kunden mit der Bahn unterwegs.  

Der Präsident des Deutschen Dialogmarketing Verbandes nannte das Gerichtsurteil „mehr als lebensfremd“. Von den rund eine halbe Million Beschäftigten arbeite nur ein Bruchteil an Sonntagen. Der Callcenter Verband hat bereits Kontakt mit der Bundesregierung aufgenommen. Er will erreichen, dass das Arbeitszeitgesetz im Sinne der etwa 6900 Callcenter in Deutschland geändert wird.

Dagegen möchte die Gewerkschaft ver.di in Niedersachsen erreichen, dass die Landesregierung die Sonntagsarbeit einschränkt. „Wir machen bei sieben in der Landesverordnung genannten Bereiche zumindest Fragezeichen oder lehnen die Ausnahme ganz ab“, erklärte ver.di-Fachbereichsleiter Heiner Schilling. Ein Dorn im Auge ist der Gewerkschaft auch die Erlaubnis der Sonntagsöffnung für Läden in mehr als 250 „Ausflugsorten“. An Kur- und Badeorten jedoch hat auch die Gewerkschaft nichts gegen die Öffnung an Sonn- und Feiertagen.