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Wirtschaft Fußballklubs sparen beim Personal
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18:09 04.08.2009
Teure Transfers wie der von Mario Gomez zu Bayern München werden seltener. Quelle: Oliver Lang/ddp
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Erstmals in den vergangenen sechs Jahren habe es in den Vereinszentralen zudem „eine Verschlechterung der Stimmung“ gegeben, so Christoph Ehrhardt, Sportexperte des Unternehmens.

Für die am Freitagabend beginnende neue Saison erwarten mehr als die Hälfte der Vereine, dass sich die wirtschaftliche Situation der Fußballbranche weiter verschlechtern wird. Kein einziger Klub rechnet damit, dass sich die Lage bessern könte. Das ist eine komplette Umkehr der Erwartungen, die von den Finanzchefs der Klubs im vergangenen Jahr geäußert wurde. Für die Vereine sei es vor allem schwieriger geworden, über Banden- oder Trikotwerbung, den Verkauf von Logenplätzen oder Namensrechten Geld einzunehmen, so Ernst & Young.

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Viele Unternehmen wie etwa der Finanzdienstleister AWD hatten im Zuge der Wirtschaftskrise solche Sponsoring-Aktivitäten eingedampft. Fast ein Drittel der Vereine rechnet daher mit geringeren Einnahmen aus dieser Finanzierungsquelle. Als Reaktion seien die meisten Mannschaften darauf bedacht, ihre Kosten in den Griff zu bekommen. „Die Fußballklubs sparen beim Personal“, sagte Ehrhardt. Drei von zehn Vereinen wollen die laufenden Ausgaben für Spieler und Mitarbeiter in diesem Jahr senken, sogar 40 Prozent die Transferausgaben zurückfahren. Während Bayern München mit dem Kauf von Nationalstürmer Mario Gomez, der für 30 Millionen Euro vom VfB Stuttgart an die Isar wechselte, Schlagzeilen machte, bewegen sich bei den meisten Konkurrenten die insgesamt bis zum Saisonauftakt gezahlten Ablösen im einstelligen Millionenbereich. Einzig bei der Nachwuchsförderung will keiner der befragten Vereine sparen.

Der Ausblick der deutschen Mannschaften ist im Vergleich mit dem europäischen Ausland jedoch verhältnismäßig optimistisch. In Frankreich, Spanien, Italien oder England glauben höchstens ein Sechstel der Vereine, dass sich die Wirtschaftskrise nicht auf die fünf erfolgreichsten Teams der jeweiligen Liga auswirken werde. In Deutschland hält das jeder dritte Befragte für möglich. Ein Grund dafür sei wahrscheinlich, dass die ausländischen Vereine oft deutlich mehr Schulden hätten als deutsche Klubs.

Die Autoren von Ernst & Young sehen langfristig die Gefahr einer langweiligeren Bundesliga. So erreichen die fünf bestplatzierten Vereine zum Saisonende eine immer höhere Punktzahl, was für deren Dominanz innerhalb der Liga spricht. Unter diesem Phänomen leidet vor allem die englische Liga, wo bereits bei kleinen Vereinen Zuschauer wegblieben, wenn einer der großen Klubs zu Gast sei. Wenn man der eigenen Mannschaft keine Chance mehr gebe, sparten sich die Fans das Eintrittsgeld, so Studienautor Arnd Hovemann.

von Martin Dowideit